Britten: Death in Venice
Eine Repertoire-Vorstellung. Dennoch lautstarker Beifall. Nun ist bei Hans-Jürgen Schöpflin von einer ganz und gar erfüllten Darstellung des Gustav Aschenbach zu sprechen. Sicher auch einer etwas untypischen, denn sein Aschenbach hadert nicht mit der Last des Alters, steht noch in besten Mannesjahren, was die «gesunde» Belcanto-Manier des Sängers unterstreicht. Die Krankheit zum Tode, die das Leben der Figur prägt, wird mehr durch eine subtile, nuancenreiche Darstellung manifest.
Man darf «Death in Venice» fraglos als Brittens künstlerisches Bekenntnis zu seiner Homosexualität ansehen, ein offizielles Coming-out gewissermaßen, als welches Thomas Mann Stoff und Titel liefernde Novelle sicher noch nicht verstanden wissen wollte. Manns innere Wahrheiten waren seinerzeit noch fest in den Tagebüchern verschlossen. Der Film von Luchino Visconti hat sie mit Mahler-Musik für ein breites Publikum aufbereitet. Brittens Oper bleibt insgesamt nüchterner, als wolle er einer autobiografisch motivierten Intimität doch noch einen Riegel vorschieben. In den Figuren von Dionysos und Apollo ist gleichwohl, ähnlich wie in Henzes «Bassariden» (und schon in Wagners «Tannhäuser»), die scheinbare ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Endspurt in der Bremer Oper. Nach dreizehn Jahren wird am Schluss dieser Spielzeit Klaus Pierwoß, der in der Hansestadt dienstälteste Intendant der Nachkriegszeit, sein Amt niederlegen. Ein über die lange Zeit hin mit viel Erfolg und überregionaler Anerkennung geführtes Amt, in dem er das Bremer Musiktheater zu einem wertbeständigen Begriff gemacht hat – trotz...
Der Schwarz- und Graumarkt ist ein finstres Fass – allerdings mit zahlreichen Löchern durchbohrt, so dass selbst vermeintlich streng gehütete Geheimnisse längst in die weite Welt entweichen konnten. Dazu zählt etwa der 1953 in Bayreuth mitgeschnittene «Ring» unter Clemens Krauss. 1953 dirigierte Krauss dort zum ersten Mal Wagners Tetralogie, im Folgejahr hätte ein...
Es gibt wohl keinen zweiten Komponisten der neueren Musikgeschichte, der so ausschließlich mit einem einzigen Werk identifiziert wird wie Engelbert Humperdinck mit seiner Märchenoper «Hänsel und Gretel». Selbst die ambitionierten «Königskinder» konnten an diesen Erfolg auch nicht annähernd anknüpfen. Und dass Humperdinck daneben noch weitere Märchenstoffe wie...
