Finaler Rettungsschuss
«Guillaume Tell» gehört zu den Schlüsselwerken der Operngeschichte des 19. Jahrhunderts. Rossini hat mit diesem 1829 für Paris komponierten Werk den entscheidenden Schritt über Spontini und Auber hinaus zu jenem Gesamtkunstwerk aus Wort, Musik, Tanz und Szene getan, das dann als Grand Opéra Schule machen sollte. Das von Rossini selbst entscheidend beeinflusste Libretto stellt den Tyrannenmord an Gesler in eine polyperspektivische Dramaturgie, die den patriotischen Massenszenen wie den liebevoll ausgemalten Genrebildern breiten Raum gibt.
Bei Rossini wird Tell – im Unterschied zu Schillers Schauspiel – von Anfang an als politischer Aktivist und Haupt der Verschwörung gegen die landfremden Habsburger gezeigt, das vom Volk verkörperte Ideendrama durch die private Liebeshandlung um den Schweizer Arnold und die österreichische Prinzessin Mathilde aber aufgeweicht.
Regisseur Andreas Baesler und sein Bühnenbildner Kaspar Zwimpfer haben bei ihrer Gelsenkirchener Inszenierung des Werkes den politischen Kern der Handlung herausgeschält und den Freiheitskampf der Älpler zugleich in einen ironischen Rahmen gestellt. Zu den Klängen der Ouvertüre projizieren sie Charles Girons Wandgemälde «Die ...
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Tokio, Ende September. In den Katakomben der Kongress- und Konzerthalle Bunka Kaikan. «Tannhäuser», erster Aufzug. Auf der Bühne schmettert Venus (alias Waltraud Meier) gerade dem zur Abreise entschlossenen Titelhelden (alias Robert Gambill) die Wut der düpierten Liebhaberin ins Gesicht: «Nie wird Vergebung dir zuteil.» Hinter den Kulissen schleicht bereits Matti...
Er ist der Mann für die tönende Zeitgeschichte, doch John Adams legt Wert darauf, keine «CNN-Opern» zu schreiben, auch wenn er schon «Nixon in China» zum Tanzen aufgefordert hat. Mit «The Death of Klinghoffer» brachte er einen Terrormord palästinensischer Extremisten an einem jüdischen US-Bürger auf die Bühne und sich selbst wegen vermeintlich antisemitischer...
Ein Gespenst geht um in der Opernszene. Es hört auf einen alten Begriff, den es verzerrt: Aktualität. Als sich Calixto Bieito kürzlich in Berlin an «Madame Butterfly» vergriff, verlegte er die Handlung in ein Etablissement für Sextourismus. Die Aufführung zu rezensieren, lohnt sich nicht, da sie nur ein weiteres Beispiel für die Guinness-Buch-verdächtige Fähigkeit...
