Ensemblekultur
Opernquerschnitte in deutscher Sprache waren in den Jugendjahren der Langspielplatte Grundbausteine jeder Klassiksammlung. Gesamtaufnahmen konnten sich damals nur die Besserverdienenden leisten, und eine ganze Oper zu hören, ohne auch nur ein Wort zu verstehen, galt den meisten Musikfreunden als snobistisch. So erklärt sich die Fülle von Produktionen, die im Zuge der Internationalisierung des Musikbetriebs wieder vom Markt verschwanden und erst relativ spät auf CD neu aufgelegt wurden.
Bei der auf diesem Sektor tonangebenden EMI zeichnete lange der Berliner Produzent Fritz Ganss künstlerisch verantwortlich. Nach dem Mauerbau wollte ihn die Firmenleitung nach Köln abberufen, was ihm nicht gefiel. Das Angebot von Bertelsmann, das neue Label Eurodisc mit aufzubauen, kam ihm deshalb gerade recht. Der neue Job war eine Fortsetzung des alten, denn Ganss konnte sich auf einen großen Teil der EMI-Gesangsstars und auf die dort schon bewährten Kapellmeister Wilhelm Schüchter und Heinrich Hollreiser stützen. Zehn Querschnitte aus den frühen sechziger Jahren erleben jetzt bei Sony/BMG ihr CD-Revival, weitere Titel werden folgen.
Rudolf Schock, auf dessen Popularität Eurodisc große ...
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Diesem Gott darf man nicht trauen: Keine Heilsgestalt, sondern heimtückischer Anführer einer Sex-Sekte ist der Dionysos, der im bedrückten Theben auftaucht. Und der verheißungsvoll morgendämmernde Schluss von Hans Werner Henzes «Bassariden», seinem wohl bedeutendsten Bühnenwerk, markiert nichts anderes als den Wechsel von politischer Instabilität zur Grabesruhe...
Kein Wunder, dass der schwärmerische Lenski (etwas ungelenk: Claude Pia) rasend eifersüchtig wird: Freund Onegin und seine Olga (aufgekratzt, mit schönem, leichtem Mezzo: Anne Schuldt) tanzen sich beim Geburtstagsfest Tatjanas in eine Lust an Bewegung hinein, die sie schnell vom 19. ins 20. Jahrhundert katapultiert und selbst vor Flamenco, Foxtrott, Cha-Cha-Cha und...
Schon während der Orchestereinleitung, noch bevor Tatjana das erste Mal den Mund öffnet, beschleicht den Zuschauer die Ahnung, dass das, was er in den folgenden drei Stunden zu sehen bekommen wird, nicht viel mit der Geschichte zu tun hat, die Puschkin in seinem realistisch-satirischen «Roman in Versen» erzählt und die von Tschaikowsky in wissentlichem...
