Märchenwald, Mysterienspiel, Mummenschanz

Das diesjährige Rossini-Festival in Pesaro

Opernwelt - Logo

Alberto Zedda, der immer noch anste­ckend vitale Künstlerische Direktor des Rossini-Festivals, kann sich glücklich schätzen, in seiner Talentschmiede jedes Jahr begabten ­Belcanto-Nachwuchs hervorzubringen. Den Spitzenplatz ersang sich in diesem Jahr der blutjunge Tenor Francesco Meli. Seine Stimme steht der von Juan Diego Flórez an Koloraturengeläufigkeit in nichts nach, ist aber weniger eng geführt, besitzt zudem mehr Farben und Wärme als die seines süd­ame­rika­ni­schen Kollegen, dessen Karriere ebenfalls in Pesaro begann.

Nun sang der aus Genua stammende Sänger, der schon an der Scala auf sich aufmerksam machte, seine erste tragende Rossini-Partie. In der Neuinszenierung der frü­hen opera semiseria «Torvaldo e Dorliska», die Mario Mortone zum Auftakt des Festivals im schönen alten Teatro Rossini in Szene setzte, riss Meli das Publikum zu Begeis­terungsstürmen hin. Das Sechs-Personen-Stück, das in einer nicht näher beschriebenen hinterwäldlerischen Gegend Nord­europas spielt, ist eine Rettungs­oper mit fast der gleichen Personenkonstellation wie Beet­hovens «Fidelio», betont allerdings weniger den politischen als erotischen Hintergrund und hat buffoneske Einlagen, von denen die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Dieter David Scholz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Cimarosa/Mozart/Goethe: Die theatralischen Abenteuer

«Heute Abend wünschte ich, dass Sie die Aufführung der ‹Theatralischen Abenteuer› sehen könnten; sie wird gewiss vorzüglich werden», schrieb Goe­the am 5. Juni 1799 an Schiller. Vorzüglich – bis auf Defizite beim Sängerensemble – geriet auch die Neuproduktion jenes Singspiels beim Pergolesi Spontini Festival. Der Dichterfürst hat es gemeinsam mit seinem Schwager...

Macht am Rhein

Es gehört wohl zu den anthropologischen Konstanten, dass sich im subjek­tiven Rückblick die Dinge umso mehr verklären, je weiter sie in der Vergangenheit liegen. Der oft im Brustton der Überzeugung vorgetragene Glaubenssatz, dass früher alles besser gewesen sei, ist dabei natürlich meist weniger fundiertes Lob des Gewesenen als Ausdruck des Unbehagens an einer als...

Gioia di cantare

Leyla Gencer lässt sich nicht entmutigen. Bei ihrem tosend umjubelten Auftritt am Schlussabend der «Leyla Gencer Voice Competition» (in der zum Komplex des Topkapi gehörenden ehemaligen byzantinischen Kirche der Hagia Eirene) wirkt die zerbrechlich gewordene, aber noch immer voll innerer Energie sich zeigende Doyenne ein wenig wie Claire Zachanassian. Doch sie ist...