Klang und Körper
Kalt scheint der Mond, und eigentlich ist er nichts anderes als eine Projektionsfläche menschlicher Sehnsucht. Irgendwann wird darin das Gesicht einer sich schminkenden Salome sichtbar, und Salome ist es denn auch, die wenig später – spärlich bekleidet, in aufreizenden Stiefeletten – die schlichte Szene des Aachener Theaters betritt: eine Paris Hilton, die nicht weiß, was sie tut, das aber mit einer Insistenz, die sie am Ende den Kopf kostet.
Reinhild Hoffmann positioniert ihre Protagonistin auf dem rechten Teil der diagonal geteilten Bühne Dieter Hackers, und so wie sie Anne Lünenbürger präsentiert, entzieht sich das einer gängigen Rollenvorstellung. Da ist kein Klischee. Das Bewegungskonzept entwickelt sich vielmehr aus dem Körper dieser Salome, und der wirkt in jedem Augenblick authentisch als Ausdruck einer inneren Notwendigkeit: lustvoll und lasziv zugleich. Reinhild Hoffmann ist von Haus aus Choreografin. Aber das heißt noch lange nicht, dass sie sich und damit die anderen gehen lässt. Selbst den «Tanz der sieben Schleier», wahrhaft eine große Nummer, hat die Opernregisseurin ganz zurückgenommen. «Geradezu ungelenk», wie Guido Fischer in der Frankfurter Rundschau schreibt, ...
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Die Haltbarkeit europäischer Kunst ist schon erstaunlich. Kurz nachdem der englische Freibeuter William Dampier 1688 seine Eindrücke von der Entdeckung Neuhollands (im Nordwesten des fünften Kontinents) niederschrieb, wurde in der Pariser Jesuitenschule Collège de Louis le Grand Charpentiers tragédie biblique «David et Jonathas» uraufgeführt. Dreihundertzwanzig...
