Solo für einen Dirigenten
Anna Netrebkos Karriere weckt die Erinnerung an ein anderes Glamour Girl, das Ende der 1950er-Jahre kometengleich aufstieg, um ein Jahrzehnt später als Sternschnuppe zu verglühen: «La Moffo». Wie Netrebko hat auch Anna Moffo weniger durch ihre Stimme als durch ihre physische Attraktivität die Blicke der Männer- und Medienwelt auf sich gelenkt. Dass Moffos Ruhm durch keine überragende künstlerische Leistung gedeckt war, macht die Wiederbegegnung mit ihrer Stimme auf einer Doppel-CD mit Arien und Szenen aus Massenets «Manon» und Puccinis «Manon Lescaut» deutlich.
Dabei hätte ihr die Rolle der launenhaft-koketten Manon doch auf den Leib geschrieben sein müssen.
Massenets lyrische Musik liegt Moffo entschieden besser als Puccini: «Je suis encore toute étourdie» singt sie mit koketter Naivität, «Adieu, notre petite table» mit verführerischem Augenaufschlag, die St. Sulpice-Szene mit erotisierendem Charme. Aber insgesamt fehlt es ihr an gestalterischer Raffinesse und jenen kleinen, von Massenet exakt notierten Zutaten des vokalen Ausdrucks, die diese Musik erst spannend machen. Giuseppe di Stefano als Des Grieux sekundiert undifferenziert und durchweg viel zu laut.
Schlicht überfordert ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zweimal Fabrice Bollon. Der neue Freiburger GMD – nach zwei Interims-Spielzeiten mit Patrik Ringborg und Gerhard Markson – erschien bei seinem Amtsantritt gleich doppelt. Als Dirigent von Carl Maria von Webers «Freischütz» entpuppt er sich weniger als brütender Romantiker denn als Klassizist eines betont offenen, kammermusikalisch ertüftelten und im Instrumentarium...
Mrs. DiDonato, dürfen wir Ihnen ein Kompliment machen?
Gern. Welches denn?
Sie haben ein großes und für den Opernbetrieb nachgerade erstaunliches Talent als Schauspielerin. Haben Sie heimlich geübt?
Nein. Auch wenn Sie es nicht glauben. Spielen war für mich immer natürlicher als Singen, schon an der Highschool. Ich dachte nie darüber nach, was ich wie tun musste. Ich...
Kein Wunder, dass der schwärmerische Lenski (etwas ungelenk: Claude Pia) rasend eifersüchtig wird: Freund Onegin und seine Olga (aufgekratzt, mit schönem, leichtem Mezzo: Anne Schuldt) tanzen sich beim Geburtstagsfest Tatjanas in eine Lust an Bewegung hinein, die sie schnell vom 19. ins 20. Jahrhundert katapultiert und selbst vor Flamenco, Foxtrott, Cha-Cha-Cha und...
