Die Macht des Körpers
Im Jahr 2013, da war die Komische Oper Berlin für ihre erste Saison unter seiner Leitung gerade zum «Haus des Jahres» gewählt worden, sagte Barrie Kosky im Interview mit dieser Zeitschrift, auf der Bühne müsse «nicht immer alles bunt oder schrill sein», es stimme keineswegs, dass «überall Pailletten funkeln» und «Lederkerle herumlaufen» müssten: Die deutsche Manie, Dinge in Schubladen zu zwängen, ärgerte ihn.
Dass ihm genau diese Dinge pars pro toto immer wieder vorgeworfen werden, hängt zum Teil mit dem Versuch zusammen, stärker an die Metropol-Geschichte seines Hauses anzuknüpfen. Operette und Musical sind ihm Herzensanliegen: Als Chefregisseur nahm Kosky dieses Repertoire zu großen Teilen selbst in Angriff. «Kiss me, Kate» mit der Bühnenkanone Dagmar Manzel war schon vor seinem Antritt ein Dauerbrenner, seitdem kamen «Ball im Savoy» (2013), «West Side Story» (2013), «La Belle Hélène» (2014), «Hoffmanns Erzählungen» (2015) dazu, auch die Manzel-Shows «Die sieben Todsünden» (2013) und «Eine Frau, die weiß, was sie will» (2015). Das neue Operetten-Fieber im deutschsprachigen Raum heizten diese Arbeiten ordentlich an: Kosky schaffte es, die Operette hip zu machen. Die Produktionen ...
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Opernwelt Jahrbuch 2016
Rubrik: Regisseur des Jahres, Seite 122
von Wiebke Roloff
Schließlich hatte es auch Wolf-Ferrari erwischt: Wie 1911 die «Berliner Morgenpost» vermeldete, war nun sogar «der zarte und feine Künstler des musikalischen Rokoko unter die Veristen geraten». Über hundert Jahre nach der Uraufführung macht dessen wenig zarte Oper «Der Schmuck der Madonna» erneut Furore: Im Mai 2015 wurde sie in Bratislava auf eher traditionelle...
Köln, 1972. Sein erster Regisseur, Jean-Pierre Ponnelle, wäre ihn am liebsten losgeworden. Weil sich der junge Finne, mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuß, während einer «Zauberflöten»-Probe verhaspelte. Doch dann blieb Matti Salminen acht Jahre am Rhein. Seit 1984 ist die Oper Zürich sein Stammhaus – freilich eines, das ihn stets ziehen ließ, wenn seine satte,...
Oper aus dem Internet? Nicht lange her, dass der anspruchsvolle Fan entsetzt die Nase rümpfte. Wackelnde Bilder plus mieser Klang – das wollte sich kaum ein Homo classicus antun. Doch Online-Programme in High-Defintion-Qualität gewinnen stetig an Bedeutung. Nicht nur private Anbieter setzen aufs Netz, um Mitschnitte aktueller und historischer Aufführungen zu...
