Apropos...Cavaradossi

Der Rodolfo ist eine seiner Trumpfkarten an den Opernhäusern, doch seit letztem Jahr singt Jonas Kaufmann auch die zweite von Puccinis großen Künstlerrollen. Nach seinem Rollendebüt an Londons Covent Garden ist ­Kaufmann ab 29. März der Cavaradossi in Robert Carsens «Tosca»- Inszenierung am Opernhaus Zürich. Dirigieren wird Christoph von Dohnányi.

Opernwelt - Logo

Herr Kaufmann, Cavaradossi ist ein Maler. Malen Sie selbst eigentlich auch?
Nur für meine Kinder, die geben ungefähr fünf Raketen pro Woche bei mir in Auftrag. Aber dass ich es früher nie ernsthaft versucht habe, lag wohl einfach daran, dass meine Schwester das viel besser konnte. Sie hat so gut gemalt, dass sie durchaus etwas daraus hätte machen können. Aber dann hat sie doch Sicherheit einer künstlerischen Freiheit vorgezogen und BWL studiert.

Spielt es für die musikalische Gestaltung der Partie eine Rolle, dass Cavaradossi ein Künstler ist?

Tatsächlich habe ich festgestellt, dass die Partie zu größerer musikalischer Freizügigkeit verlockt als beispielsweise Rodolfo in der «Bohème». Für mich ist Cavaradossi ohnehin eine sehr vielschichtige Figur: Einerseits setzt er sein Leben aufs Spiel, um verfolgten Oppositionellen zu helfen, andererseits hat er sich aber auch mit dem System gut arrangiert und ist ein wohlhabender Auftragskünstler. Im Libretto ist zum Beispiel explizit von «einem seiner Landgüter» die Rede.

 

In der Oper kann er aber schnell als bloße Verhandlungsmasse zwischen den beiden Kontrahenten Tosca und Scarpia wirken.

Natürlich hat es jeder Tenor erst mal schwer, die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2009
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Postsozialistisches Roulette

Erst vor ein paar Monaten war Tschaikowskys «Pique Dame» als Gastspiel des Petersburger Mariinsky-Theaters in der Deutschen Oper zu sehen; auch die Produktion der Staatsoper unter Daniel Barenboim mit Plácido Domingo liegt noch nicht lange zurück. Die Komische Oper musste also triftige Gründe haben, dieses Stück in einer neuen deutschen Textfassung von Bettina...

Mit drei Teufeln im Bunde

Zum Haydn-Jahr zwar keine richtige Haydn-Oper, dafür aber ein inszeniertes Oratorium: «Die Schöpfung», grandioses Musikwerk über die Erschaffung der Welt in sieben Tagen, vom «Chaos» des Beginns bis zum Eintritt des ersten Menschenpaares ins Paradies, erfuhr an der Vlaamse Opera zusätzlich zur konzertanten Aufführung eine gleichsam «teuflische» Komponente. Noch...

Von gestern auf morgen

Etwaige Illusionen über die Bedeutung klassischer Musik werden den Besuchern der MIDEM schon gleich am Eingang genommen. Ganz durch die große Halle durch, die Treppe hoch und dann links in der Ecke – hätte die freundliche Stewardess am Counter des Festivalpalastes von Cannes nicht den Weg zur Klassik-Abteilung, sondern die Bedeutung von Bach, Beethoven und...