Explosiv
Die blockhaften Akkorde, die Harmonieschleifen, der harte Puls, die kantige Dynamik – ein wenig erinnert der Orchestersatz schon mal an Bruckner, der bekanntlich in Sankt Florian und Linz die Orgelbank drückte. Aber auch an Minimal Music Patterns und: die heute fast nur noch im Jazz und von Kantoren gepflegte Kunst des formgebundenen Extemporierens.
Dass Thierry Escaich von Hause aus Organist ist, hört man seiner ersten Oper an: eine «aufwühlend explosive Musik, die häufig wie improvisiert klingt», schrieb Gerhard Persché über die Uraufführung von «Claude», einem Auftragswerk der Opéra de Lyon (siehe OW 5/2013). Escaichs expressive Klangbögen überwölben eine durch Victor Hugo inspirierte homoerotische Passionsgeschichte, die während der industriellen Revolution in einem Lyoneser Gefängnis spielt. Der Bariton Jean-Sébastien Bou (Claude) und der Counter Rodrigo Ferreira (Albin) verkörpern das gewaltsam getrennte Paar mit hingebungsvoller Empathie. Die Schwächen des holzschnitthaft-naturalistischen Librettos von Robert Badinter können sie allerdings ebenso wenig ausbügeln wie die oft allzu plakative, auf einen rotierenden Zellenbau (Pierre-André Weitz) fokussierte Inszenierung ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Albrecht Thiemann
Die 1963 geborene Lucia Ronchetti ist heute die nach Salvatore Sciarrino prominenteste musikalische Stimme Italiens. Mit Sciarrino verbindet sie das Interesse an Literatur sowie die Theatralizität ihrer Kompositionen, die, selbst wenn sie nicht für die Bühne bestimmt sind, fast immer eine starke szenische Latenz besitzen. In Mannheim kam jetzt ihr jüngstes...
Ein wenig ungalant ist es schon, aber sie provoziert eine solche Teilung der Karriere ja selbst – in eine «alte» Cecilia Bartoli und in eine «neue». Und das Beste ist: Beide begegnen einem innerhalb von nur 24 Stunden auch noch am selben Ort, in Salzburgs Haus für Mozart. Die frühere, der Koloraturenspringball, die Sängerin, die irrsinnigen Spaß am Zierrat hat, an...
«Kleopatra» müsste diese Händel-Oper heißen, nicht «Julius Caesar». Daran lässt Lydia Steiers Neuinszenierung an der Komischen Oper Berlin keinen Zweifel. Noch ehe Konrad Junghänel den Einsatz für die Ouvertüre gibt, wird uns ein Blick auf die ägyptische Herrscherin gewährt. Wir teilen eine ihrer Erinnerungen, schauen der Jugendlichen beim Gerangel mit ihrem Bruder...
