Cecilia Bartoli auf neuen Pfaden
Maître Ponnelle hat’s vorgemacht. Er war der Weltmeister, ein global player im Vermarkten seiner Inszenierungsideen. Robert Carsen kann’s aber auch. Der kanadische Regisseur hatte Händels «Semele» 1996 für Aix-en-Provence konzipiert, die English National wie die Vlaamse Opera und Köln hingen koproduzierend dran. Jetzt folgte Zürich. Doch dort wurde ein ganz besonderer Trumpf aufgefahren. Er heißt Cecilia Bartoli. Sie zieht, Reprise hin oder her, mit ihrem Rollendebüt die internationale Aufmerksamkeit auf sich und ihr Lieblingshaus.
Obendrein singt sie zum ersten Mal auf Englisch. Und wie!
Bartoli gurrt und girrt, sie schmollt und mauert. Dies vor allem, wenn die thebanische Prinzessin ihren Galan Jupiter nicht nur in seiner menschlichen, sondern endlich auch in seiner eigentlichen göttlichen Gestalt erblicken will. Zu diesem tödlichen Begehren hat Juno dieses Biest von einer eifersüchtigen Gattin angestachelt. Semele verglüht. Allerdings haucht sie ihr Leben in bewegenden Accompagnato-Tönen aus, und Bartoli entfesselt alle ihre vokale Kunstfertigkeit. Wieder das lustvoll-kreatürliche Agieren, wieder der so gelöste wie intensive Tonfall ihres Singens, die («endless pleasure, ...
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Es händelt stark an der Rheinschiene: Der wunderbare «Saul» in der Regie Dietrich Hilsdorfs war gerade wieder in Bonn zu sehen, Bonn und Wiesbaden bringen in Kürze «Julius Cäsar» auf die Bühne – und Koblenz steuert eine szenische Version der «Susanna» bei. Kaum je wird das Oratorium von 1749 im Konzert aufgeführt, noch seltener ist es in szenischen Umsetzungen zu...
Das gibt es auch nicht alle Tage. Eine junge Regisseurin wirft zwei Tage vor der Premiere hin und reist ab, weil man sie um ein paar kleine szenische Änderungen bittet. So geschehen im Next Liberty, einer Nebenspielstätte der Grazer Oper. Dort versuchten sich vier Nachwuchskomponisten aus den Klassen etwa von Beat Furrer oder Georg Friedrich Haas an Kurzformen...
