Rätselbilder, Seelenschmuh
Im Sommer 2010 wurde Wolfgang Rihms Opernfantasie «Dionysos» bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt, anschließend war die Inszenierung von Pierre Audi in den Bildern von Jonathan Meese in Amsterdam und in Berlin an der Staatsoper zu sehen. Jetzt hat sich das Theater Heidelberg als erste Bühne an eine Neuinszenierung gemacht – und arbeitet sich produktiv an einem Grundproblem des Werks ab. Rihms ingeniöse, polystilistisch schillernde Partitur ist Musik, die im Augenblick des Erklingens zum unmittelbaren Nachvollzug einlädt, aber selten Theatermusik.
«Dionysos» erträgt das Bild, fordert es aber nicht energetisch heraus.
Das liegt paradoxerweise an Rihms Vorliebe für starke Texte. Wie in früheren Bühnenwerken, der «Hamletmaschine» nach Heiner Müller, der «Eroberung von Mexiko» nach Antonin Artaud, wirkt im «Dionysos» der literarische Text autonom, nicht funktional. Das Libretto basiert weitgehend auf Friedrich Nietzsches am Rande der Wahnumnachtung geschriebenen «Dionysos-Dithyramben», ein Labyrinth aus Biografie und Mythos: Nietzsche fantasiert sich die Wagner-Villa Tribschen auf die Insel Naxos, wo Ariadne, vulgo Cosima, den Erlösergott Dionysos, sprich: ihn selbst, erwartet.
Ei ...
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Opernwelt April 2013
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Götz Thieme
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