Raus aus dem Sumpf
Liebhaber der Barockoper wissen um die delikaten Entstehungsumstände der Ballet-buffon «Platée», die Mitte des 18. Jahrhunderts im Théâtre de la Grande Ecurie das Kerzenlicht der Opernwelt erblickte. Zwischenzeitlich vergessen, fand das Stück in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der Wiederentdeckung Rameaus (und des barocken Musiktheaters) neben «Hippolyte et Aricie», «Castor et Pollux» und «Les Boréades» wieder auf die Bühne.
Geschrieben wurde die heiter-boshafte Ballettoper anlässlich der Hochzeit des Dauphins mit der spanischen Infantin in Versailles 1745. Die Handlung basiert auf einer spätantiken Geschichte und präsentiert einen wüsten Spaß, den sich die olympischen Götter mit der liebeshungrigen Sumpfnymphe Platea gemacht haben sollen: Einer «hässlichen Kröte», die sich selbst für unwiderstehlich hält, gaukelt man vor, dass Jupiter sich für sie interessiere. Die Royals fanden das ziemlich hemmungslose Theatervergnügen bei der Uraufführung wohl etwas degoutant, da die zur Vermählung herangeschaffte spanische Prinzessin alles andere als eine Schönheit und mithin unschwer als Vorbild der Nymphe zu interpretieren war. Die grotesk virtuosen Arien von La Folie (der ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Frieder Reininghaus
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Ach, diese Münchner Kulturschickeria. «Sehr schnell auf die Nerven» könne die einem gehen. Und dann erst die Politik: zunächst umarmt, «dann wieder eiskalt im Stich gelassen». Das, was Ulrich Peters der Zeitung seines baldigen Wirkungsortes Münster anvertraute, riecht vor allem nach einem: nach verbrannter Erde. Vor dem Sprung vom Theater Augsburg nach München...
