Podium deutsche Musik
Die deutsche Frage ist auch nach dem Ende des Kalten Krieges ein beliebtes Thema geblieben. Während sie politisch seit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten kaum noch eine Rolle spielt, taucht sie in den ästhetischen Debatten der Kulturnation umso öfter auf. Zumal, wenn es im Land Bachs, Beethovens und Brahms’ um die Musik geht. «Von deutscher Seele» – so lautete etwa das Leitmotiv der Konzertprogramme, die der Dirigent Ingo Metzmacher in der vergangenen Saison mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin veranstaltete.
Das Motto hatte er sich von einer 1921 geschriebenen Kantate des deutschnationalsten aller deutschen Komponisten geborgt: Hans Pfitzner. Und es ist noch gar nicht so lange her, da war wieder viel vom «deutschen Klang» die Rede, der im Zeitalter orchestraler Globalisierung akut gefährdet sei. Gehört zu diesem «deutschen Klang» auch jenes (meist ignorierte) belcantistische Gesangsideal, das Wagner sich für seine Opern wünschte? Und wie passt dazu Schönbergs Erwartung, die Erfindung der Zwölftontechnik werde der deutschen Musik bis auf Weiteres die Vorherrschaft sichern? Steckt in Webers «Freischütz» nicht mehr Rossini als dunkles Waldesrauschen? Kurzum: Was ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Abschied von der Erlösung
«Confidence Games» nennt der amerikanische Religionswissenschaftler Mark C. Taylor die Strategien, die in Religion und Ökonomie für Bewegung sorgen. «Täuschungsspiele» ist wahrscheinlich eine unzureichende Übersetzung, die der Dialektik von Vertrauen und Verdacht, die in diesem Wort mitschwingt, nicht gerecht wird. Für Taylor sind diese...
Ich hatte das Glück, als Schüler von Walter Braunfels und Freund seiner Familie von 1937 bis 1943 das Entstehen der Oper über die Heilige Johanna aus unmittelbarer Nähe zu erleben. Diese Erlebnisse haben mich als werdenden Musiker tief geprägt und sind mir bis heute stets lebendig gegenwärtig. Als Schüler des Gymnasiums der Schule Schloss Salem befreundete ich...
Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin: So lautet nicht nur alljährlich der freudetrunkene FanGesang all jener Fußballanhänger, die dem Pokalendspiel entgegenfiebern. Auch als Kulturmetropole steht die bundesdeutsche Kapitale hoch im Kurs – und zwar weltweit. Davon profitieren nicht zuletzt die drei Berliner Opern. Dass der Bund den Großteil der Sanierungskosten...
