Pop im Puppenhaus
Clemens Brentanos Geschichte vom bösen Königssohn Jerum, der guten Hexe Fanferlieschen Schönefüßchen und allerlei buntem Volk, das auf lustige Namen wie Würgipumpa, Fräulein von Ziegesaar, Pumpilirio Holzebocke oder Herr Neuntöter hört, ist eine vertrackte, vielfach verzweigte Geschichte. Alle hängen mit allem zusammen. Wer das komplexe Beziehungsnetz begreifen will, das in diesem wuchernden Märchen ausgebreitet wird, sollte tief einsteigen in die Verästelungen der allegorischen Handlung. Das braucht Zeit und macht Mühe.
Offenbar wollte der Wiener Komponist Kurt Schwertsik dem Publikum solche Anstrengung ersparen, als er Brentanos Erzählung über die Zustände im Lande Skandalia von seinen Librettisten Karin und Thomas Körner im flotten Jargon der frühen achtziger Jahre komprimieren ließ, um den Text zu einer einstündigen Kammeroper verarbeiten zu können. Die Uraufführung stieg im November 1983 am Württembergischen Staatstheater in Stuttgart – man hatte das Werklein zur Inbetriebnahme der Kammerspiele bestellt (siehe OW 1/1984).
Die feierliche Wiedereröffnung des nach fünfjähriger Bauzeit rundum sanierten Opernhauses in Wuppertal gab nun Anlass, es noch einmal mit dem Fanferlieschen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Korngolds «Tote Stadt» hätte in Venedig, das wie keine zweite Metropole den Genius des Gewesenen feiert, eigentlich ein Heimspiel werden müssen. Zumal wenn ein Ästhet wie Pier Luigi Pizzi inszeniert. Das Ergebnis fiel zur Spielzeiteröffnung am Teatro La Fenice ernüchternd aus. Pauls Zimmer war auf die Vorbühne verbannt: eine recht sterile Orgie aus weißen Lilien...
An drei Orten gleichzeitig wurde «Der Silbersee» am 18. Februar 1933 uraufgeführt: in Magdeburg, Erfurt und Leipzig, dort unter Tumulten – keine drei Wochen nach der Machtergreifung Hitlers und vier Wochen, bevor Weill Hals über Kopf vor der Gestapo nach Frankreich fliehen musste. Regie führte in Leipzig Detlef Sierck, der später als Douglas Sirk in Hollywood...
Der amerikanische Orientalist Edward W. Said hat in seinem Buch «Kultur und Imperialismus» Verdis «Aida» unterstellt, dass sie «nicht so sehr ein Werk über als vielmehr der imperialen Herrschaft» sei. Genau das Gegenteil trifft zu. Dass Verdis populärste Oper sich auf kritische Weise mit dem impliziten Imperialismus des Sujets auseinandersetzt, ist spätestens seit...
