Brillant gefügt
Früher nannte man ein Theaterstück, das zur Weihnachtszeit für die «ganze Familie» in Szene gesetzt wurde, ein Weihnachtsmärchen. Diese Aufgabe erfüllt die am Aachener Theater uraufgeführte Oper «Der Zauberer von Oz» des Komponisten Anno Schreier spielend, und doch ist sie sehr viel mehr: ein kleines Stück Welttheater – für Kinder eine eingängige Zaubergeschichte, in der das Gute über das Unheimliche und Böse siegt, für Erwachsene ein launiger Gang durch die Opern- und Musikgeschichte und eine Parabel auf die von immer neuen üblen Kräften beherrschte Gegenwart.
Virtuos hat Schreier Motive aus fast allen Epochen verarbeitet und daraus ein köstliches Stück destilliert. Als eine Art fixe Idee geistert das Hauptmotiv aus Schuberts «Erlkönig» durch die Partitur. Aber auch Monteverdis Madrigalkunst, Mozarts «Zauberflöte» mit einer weihevoll-komischen Sarastro-Parodie, Richard Wagners düster dräuende Fafner-Akkorde, Anspielungen auf Jacques Offenbachs Spalanzani-Figur aus «Les Contes d’Hoffmann», ein bisschen Richard Strauss und Strawinsky und vieles andere hat Schreier adaptiert. Dazu gibt es immer wieder dramaturgisch plausible Ausflüge in die leichte Muse mit Musical-, Country-, Jazz- ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Josef Oehrlein
So kennt man die Geschichte aus der Erzählung von Friedrich de la Motte Fouqué: Des Fischers Tochter verschwindet eines Tages, während am gleichen Abend auf der Schwelle seiner Behausung ein anderes Mädchen erscheint. Undine eben, die von den verzweifelten Eltern an Kindes statt angenommen wird und an den Gestaden eines kleinen Sees zu einer jungen, faszinierend...
War Camille Saint-Saëns schwul? Dino Hecker hat zu dieser These einige Indizien zusammengetragen: die starke Mutterbindung, das Scheitern der Ehe und die vielen Reisen nach Nordafrika, «wo Dinge möglich waren, die in Europa als verpönt galten». Lassen sich in Ariadne und Zerbinetta homosexuelle Prototypen erkennen? Ja, sagt Rainer Falk: «die Drama Queen und die...
An «La Bohème» führt kein Weg vorbei; Puccinis Oper muss man einfach lieben. Ein Rührstück, gewiss, aber eines, dessen emotionale Kraft auch heute noch ungebrochen ausstrahlt. Im Theater Basel wird es unterstrichen durch das Sinfonieorchester der Stadt, das unter der Leitung der neuen Basler Musikdirektorin Kristiina Poska seine Funktion voll ausspielt – in...
