Affäre Salome
Einer der unumstößlichen Regiegrundsätze lautet: Wer sich bei Kollegen freimütig bedient, sollte sich nicht erwischen lassen – und wenn doch, dann wenigstens dazu stehen. Beides ging bei der diesjährigen Eröffnung der Wiesbadener Maifestspiele daneben, die einerseits zum großen Erfolg für GMD Marc Piollet und sein Orchester wurde, andererseits aber ein ärgerlicher Eiertanz des Regie führenden Intendanten Manfred Beilharz.
Alles, was in seiner Wiesbadener Inszenierung über ein solides Arrangement hinausgeht – Salome wird von Jochanaan rythmisch getauft, der Prophet wird aus der Zisterne meterhoch in die Haltung des Gekreuzigten gezogen, der Tanz der sieben Schleier endet mit geldwerfenden Juden, das Finale kulminiert in einem gezückten Metzgersmesser – ist quasi eins zu eins aus der Produktion von Carlos Wagner 2005 in Montpellier übernommen. Und da im Internet zahlreiche Bilder und Videos aus Montpellier jederzeit zugänglich sind, konnte dies nicht verborgen bleiben.
Die Zeitungen wetterten, nur ein einziger publizierender Zeitgenosse raffte sich auf, die offensichtliche Selbstbedienung als erfreuliche «Weiterentwicklung von Inszenierungstendenzen» zu verbrämen. Und – was die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Jazz und Klassik – das ist eine nicht immer unbedingt glückliche Beziehung gewesen. Zugleich aber ist es die Geschichte einer schon lange währenden wechselseitigen Faszination: Kaum tönten die ersten blue notes und syncopated rhythms aus New Orleans, Chicago und New York, da horchten auch schon Komponisten in Europa interessiert auf. Igor Strawinsky, Darius...
Glyndebourne war einmal ein Ort, an dem (auf Einladung von Günther Ebert und Peter Hall) bedeutende Monteverdi-Pioniere arbeiteten. Doch das ist lange her, abgesehen von einer «Poppea» zum fünfzigjährigen Jubiläum des Festivals 1984. Wenn nun die neue «Poppea»-Produktion dort eines bestätigt, so die Erkenntnis, dass das Stück dramaturgisch größere Probleme aufwirft...
Mit Spannung war das Regiedebüt des Tenors José Cura erwartet worden. Und der erste Akt beginnt auch durchaus vielversprechend: Graf Riccardo zeigt sich als moderner Autokrat, der seine Mitarbeiter am großen Konferenztisch antreten lässt und unter einem riesigen Porträt seiner selbst (in jungen Jahren) den Regierungsgeschäften nachgeht. Er hat es trotz seiner...
