Fehlgeburt
Kann der Royal Opera noch Schlimmeres passieren als das Buhgebrüll, das letzten Sommer in Damiano Michielettos «Guillaume Tell» losbrach? Ja. Und zwar Gelächter. Man hatte diesmal die Abonennten vorsichtshalber gleich vor den sexuell expliziten, brutalen Szenen in Katie Mitchells Inszenierung der «Lucia di Lammermoor» gewarnt. Schon zeterten Zyniker, Covent Garden wolle die Produktion bloß vor der Premiere künstlich ins Gespräch bringen.
Mitchell und ihre Ausstatterin Vicki Mortimer ließen verlauten, sie wollten Donizettis Schauerstück feministisch zu Leibe rücken – und schon kochte die Sexismus-versalzene Diskussionssuppe über.
«Lucia» als exemplarisches Frauenschicksal zu deuten, ist ja nicht abwegig. Das Problem weiblicher Machtlosigkeit ist in diesem Stück so augenfällig wie die Besessenheit des 19. Jahrhunderts mit dem Phänomen der Hysterie. Louise Augustine Gleizes jedenfalls, jene berühmte Hysterikerin, die während der 1870er-Jahre in den Dienstagsvorlesungen des Neurologen Jean Martin Charcot am Pariser Krankenhaus Pitié-Salpêtrière vorgeführt wurde, ließ sich von den erotischen Gewaltfantasien der Sopranarie «Il dolce suono» gern inspirieren.
Weiberwahn als Performance: ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Anna Picard
Die Berliner und Kölner Aufführungen seiner Oper «Jeanne d’Arc – Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna» (siehe OW 6/2008 und 4/2016) haben den von den Nazis als Halbjuden verfemten Komponisten Walter Braunfels einmal mehr ins Rampenlicht gerückt. Auch wenn in den letzten Jahren einige seiner Hauptwerke wieder aufgeführt wurden oder doch, wie die «Große Messe»...
Die Zeiten, wo ein Vertrag bei einem großen Label die Weltkarriere verhieß, sind auch bei der Decca vorbei. Zuletzt sind CD-Versuchsballons mit Danielle de Niese oder Nicole Cabell rasch wieder gesunken. Nach ihrer erfolgreichen Debüt-CD «Voice of Hope» (vor zwei Jahren) gibt man Pumeza Matshikiza nun eine zweite, verdiente CD-Chance.
Bei der diesmal fast ganz...
Wie sagt man so schön? Gebranntes Kind scheut das Feuer. Für mich steht demnächst eine Produktion in einem Opernhaus an, in dem ich vor ungefähr 20 Jahren mal so richtig versengt wurde.
Natürlich übertreibe ich maßlos, wie immer. In Wahrheit war die Geschichte nicht besonders markerschütternd. Vor allem nicht besonders besonders. Einfach eine von denen, die manche...
