Das Vorspiel als Nachspiel

Korrektur eines Missverständnisses: Sergio Morabito und Jossi Wieler stellen in Stuttgart «Ariadne von Naxos» vom Kopf auf die Füße

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Alle bisherigen Deutungen der «Ariadne» leiden an dem von Hofmannsthal und Strauss sanktionierten Missverständnis, dass sie die topische Situation des «Theaters auf dem Theater» vom «Vorspiel» auf die «Oper» übertragen. Aber weder im Vorspiel noch in der Oper geht es um die Konfrontation von Opera seria und Commedia dell’Arte. Beide Theaterformen dienen nur als Folie einer Auseinandersetzung mit den Problemen wirklicher Menschen, nämlich der Gegenüberstellung zweier unterschiedlicher weiblicher Psychologien.

Auf der einen Seite steht die um ihre verratene Liebe trauernde Ariadne, auf der anderen die leichtfertige Zerbinetta. In den Kostümen der tragischen Heroine und der Colombine spiegeln sich metaphorisch die verschiedenen inneren Dispositionen. Beide sind Männeropfer: «die eine Frau, deren Libido nach ­einer traumatischen Verletzung versiegt ist, und die andere, die am rückhaltlosen Gewähren von Erotik zugrunde geht», schreibt Sergio Morabito. Um das zu zeigen, haben Morabito und Jossi Wieler die Teile umgedreht, in der Reihenfolge ihrer Entstehung angeordnet: Auf die 1912 entstandene Oper folgt das 1916 nachkomponierte Vorspiel als «alptraumhaftes Scherzo über die Situation der ...

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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert

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