Das Vorspiel als Nachspiel
Alle bisherigen Deutungen der «Ariadne» leiden an dem von Hofmannsthal und Strauss sanktionierten Missverständnis, dass sie die topische Situation des «Theaters auf dem Theater» vom «Vorspiel» auf die «Oper» übertragen. Aber weder im Vorspiel noch in der Oper geht es um die Konfrontation von Opera seria und Commedia dell’Arte. Beide Theaterformen dienen nur als Folie einer Auseinandersetzung mit den Problemen wirklicher Menschen, nämlich der Gegenüberstellung zweier unterschiedlicher weiblicher Psychologien.
Auf der einen Seite steht die um ihre verratene Liebe trauernde Ariadne, auf der anderen die leichtfertige Zerbinetta. In den Kostümen der tragischen Heroine und der Colombine spiegeln sich metaphorisch die verschiedenen inneren Dispositionen. Beide sind Männeropfer: «die eine Frau, deren Libido nach einer traumatischen Verletzung versiegt ist, und die andere, die am rückhaltlosen Gewähren von Erotik zugrunde geht», schreibt Sergio Morabito. Um das zu zeigen, haben Morabito und Jossi Wieler die Teile umgedreht, in der Reihenfolge ihrer Entstehung angeordnet: Auf die 1912 entstandene Oper folgt das 1916 nachkomponierte Vorspiel als «alptraumhaftes Scherzo über die Situation der ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert
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Sind wir nicht alle ein bisschen Wagner? Nikolaus Barton erscheint, in strahlendes Weiß gekleidet, auf der Bühne der Flämischen Oper, und alle Begleiter wissen, um wen es sich bei ihm handelt. Warum sich vorstellen? Wagner, na klar. Sich mit elegant gewandeten Komponisten identifizierend, fallen alle einander in die Arme. Um erschrocken zu erstarren, kaum dass der...
Eigentlich ist auf den ersten beiden Seiten schon alles gesagt. Wagners «autoritär-antidemokratisches, rassistisches und frauenverachtendes Erbe», sei «anachronistisch, inhuman und antieuropäisch: ein strahlender Giftschrank aus der Vergangenheit, den es verantwortungsvoll zu entsorgen gilt». Gottfried Wagner, Jahrgang 1947, Sohn Wolfgang Wagners aus erster Ehe und...
