Fürsorge und Formsinn
Die Bühne bleibt schwarz, während die Polonaise zum dritten Akt erklingt. Barrie Kosky zeigt uns keinen Ball beim Fürsten Gremin. Das Schweigen der Bilder könnte ein Gleichnis sein für das Trauma, unter dem Jewgeni Onegin leidet, seit er seinen Freund Lenski im Duell getötet hat. Das Schweigen der Bilder könnte aber auch hier, an der Komischen Oper Berlin, Ausdruck von Dankbarkeit sein. Andreas Homoki, bis 2012 Intendant des Hauses, hatte Kosky hierher geholt und ihm den Weg bereitet, sein Nachfolger zu werden.
Eine der erfolgreichsten Produktionen der Intendanz Homokis war «Jewgeni Onegin» von Peter Tschaikowsky, in Homokis eigener Regie, mit Kirill Petrenko am Pult, Premiere im Mai 2005. Und als stärkstes Bild jener Inszenierung ist der Beginn des dritten Akts in Erinnerung geblieben: Onegin hat den Revolver vom Duell noch immer in der Hand und spielt nun, manisch Polonaise tanzend, im Wartesaal eines Flughafens russisches Roulette.
Kosky hat sich entschieden, mit diesem Bild nicht zu rivalisieren. Die leere Bühne ist Schwarzraum der Erinnerung. Ansonsten aber liebt er es anschaulicher, konkreter, sinnlicher als Homoki. Saftige Wiesen und prachtvolle Bäume, hyperrealistisch fast, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Jan Brachmann
Eigentlich ist diese DVD nicht rezensierbar. Denn der für die Bildregie verantwortliche Tiziano Manchini und sein Team haben die Aufführung des Dresdner «Freischütz» nicht in den Griff bekommen. Genauer: Sie sind an ihrem Dunkel gescheitert. Von der Wolfsschlucht sieht man so gut wie gar nichts, auch die anderen Szenen versacken. Zudem war die Kameraaufstellung...
Die Ponys hören zu. Erst eines. Ein Ganzton, dann ein Halbton aufwärts, lange und leise gehalten. Dann kommen fünf weitere dazu, schmiegen sich unter die Gesangsphrase ihres Herrn. Jedes hat seinen eigenen Rhythmus, seine eigene triolische Bewegung, seine eigene chromatische Linie. Alle sind genau in der Partitur notiert, im Bassschlüssel. Sechs Ponys, das sind...
Grau verhangen, öde ist diese Landschaft. Seile hängen ins Bild. Verkohlte Sparren, bröckelnde Grabsteine, bandagierte Leichen, Betonbunker. Wie ein schwarzer Faden zieht sich dieses Ambiente durch Daniele Abbados «Attila»-Inszenierung, die als Koproduktion mit Venedigs La Fenice und dem Teatro Massimo in Palermo entstand. Bekanntlich geht es in Verdis neunter Oper...
