Schön, langsam, gegrillt
Die Republik fördert die Entwicklung der Kultur und die wissenschaftliche und technische Forschung. Sie schützt die Landschaft und das historische und künstlerische Erbe der Nation.» Den Artikel 9 der italienischen Verfassung in einem Opernhaus vorzulesen, ist nicht üblich. Daniel Barenboim tat es, «tief besorgt», bevor er den Taktstock zur neuen «Walküre» hob. Wenn es eine Verfassung gibt, deren Utopie so ganz konträr zur gegenwärtigen Wirklichkeit steht, dann ist es die italienische.
Und wenn der Protest nicht wie sonst streikenden Musikern überlassen, sondern zur Chefsache wird, dann ist das ein Indiz dafür, wie verzweifelt es um die italienische Kultur bestellt ist.
Wie verzweifelt es um Politik und Wirtschaft des Landes stehen muss, erkennt man daran, dass außer dem Hüter der Verfassung, Staatspräsident Giorgio Napolitano, kein einziger der Adressaten dieser dringlichen Grußbotschaft den Abend frei hatte, um beim glamourösesten Kulturereignis des Landes zu posieren: nicht die Erziehungsministerin Mariastella Gelmini, nach deren Reform die ohnehin schon eingezwergte Musikerziehung in den Schulen auf beinahe Null gesunken sein wird; nicht der glücklose Kulturminister Sandro ...
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Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Dietmar Polaczek
«Dieses Drama ist nach meiner Meinung das Beste, was ich je gedichtet habe, sowohl hinsichtlich des Stoffes und der Handlung als auch hinsichtlich der Verse. Es ist wollüstig, jedoch nicht lasziv, und erregt von Anfang bis Ende die Anteilnahme des Publikums. Den Beweis dafür erbrachten hundert in kurzer Zeit erfolgte Aufführungen.» So schreibt Lorenzo da Ponte in...
Diese Aufführung ist schnell und leichtfertig abgekanzelt worden. Das hat sie nicht verdient. Freilich: Man muss Gelassenheit mitbringen und etwas Geduld, um ihre Dezenz zu entdecken und ihre Genauigkeit, die sich nicht aufdrängt. Mit knallbuntem Operettenleben hat sie nichts zu tun. Mit Dekonstruktion aber auch nicht. Deshalb könnte man sie bei flüchtiger...
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