Göttlicher Idiotismus, himmlische Sklerose
Die jeweils am 11.11. ausbrechende fünfte Jahreszeit ist im Rheinland dem verordneten Frohsinn geweiht, und das lustige Treiben ergreift die Theater bis ins Ruhrgebiet. Aber das Leichte ist auf der Bühne bekanntlich das Schwerste. Als Jacques Offenbach 1858 in seinen Bouffes-Parisiens die komische Oper «Orphée aux Enfers» herausbrachte, war alles noch einfach. Da verspottete er die Gattung Oper, speziell Glucks »Orpheus und Eurydike», und in einer Parallelaktion die bigotte Pariser Gesellschaft im Second Empire des Dritten Napoleon.
Kölns Oper am Offenbachplatz wagte sich schon kurz vor dem Ausbruch des im konkurrierenden Düsseldorf als «Hoppeditz’ Erwachen» firmierenden Karnevals an das Erfolgsstück des geborenen Kölners und ging im Rhein baden. Die Verpflichtung einer Star-Darstellerin aus der Vorabendunterhaltung des Fernsehens als Öffentliche Meinung und eines ehemaligen Regierungspräsidenten, der oft die Politik mit schlechtem Theater verwechselt hatte, ging ebenso daneben wie der Versuch, Offenbachs Gesellschaftskritik auf das Jeckentum im organisierten Karneval zu beziehen. Die Produktion wurde zurückgezogen (siehe OW 12/2005).
Essens Aalto-Oper vermied den Fehler, eine ...
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