Magie und Mechanik
Im Paris des 19. Jahrhunderts war Daniel-François-Esprit Auber ein Star. Ein Theaterkomponist, der nicht belehren, sondern unterhalten wollte. Ein brillanter Handwerker, der genau wusste, wie man mit Stimmen und Orchester Effekte erzielt. Die klare Satztechnik hatte er sich von Haydn und Mozart, die verführerische Melodik von Rossini abgeschaut. Er war auch ein Taschenspieler mit feiner Nase für die Vorlieben des zahlenden Publikums. Das juste milieu liebte ihn wie sonst nur noch Meyerbeer und Offenbach. Fast jede seiner mehr als fünfzig Opern ließ die Kassen klingeln.
Besonders die musikalischen Komödien, die Auber zwischen 1820 und 1870 auf Texte aus der Werkstatt des Libretto-Fabrikanten Eugène Scribe schrieb, trafen den Geschmack des Pariser Publikums. Allein der 1837 uraufgeführte Dreiakter «Le Domino noir» brachte es auf 1209 Vorstellungen. Schnee von gestern, verweht und vergessen.
Dass Aubers Œuvre zu Beginn des 21. Jahrhunderts so gut wie keine Rolle mehr spielt, hat nicht zuletzt mit den despektierlichen Randglossen Mendelssohns, Schumanns und Wagners zu tun. Das Leichte, Bizarre, duftig Perlende seiner Musik war der auf Weltschmerz, innere Emigration und Transzendenz ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Albrecht Thiemann
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