Mit Löwenkräften
Dieser dreieinhalb Tonnen schwere, entwurzelte Stamm: ein wahrhaft gewichtiges Symbol der Unterdrückung. Am Schluss schwebt das Ungetüm, von mächtigen Winden in die Höhe gewuchtet, gen Decke davon: Die Schweiz ist frei. Nach Palermo kam der Baum aus London, wo er in Damiano Michielettos provokanter «Guillaume Tell»-Inszenierung an Covent Garden seinen ersten Auftritt hatte – eine Produktion, die wegen einer Gruppen-Vergewaltigungsszene in England eine Empörungswelle lostrat (siehe OW 8/2015).
Das Publikum von Palermo ist historisch wohl anders aufgestellt als die Besucher der Royal Opera. Sexuelle Übergriffe auf die weiblichen Einwohner eroberter Gebiete? Nicht erst seit der Sizilianischen Vesper ein beliebter Zeitvertreib jeder Besatzungsmacht. Weiß man doch! Ein einsames «Bravi!» erhebt sich gegen vereinzelte Zwischenrufe à la «Schande!» und «Scheußlich!» – das war’s auch schon. Geradezu komisch (wahrscheinlich unfreiwillig) wirkt die Ähnlichkeit zwischen den Uniformen von Gesslers Offizieren und den italienischen Steuerfahndern, der «Guardia di Finanza». Auch allerlei Bizarres amüsiert. Warum zum Beispiel schickt Ruodi seine Couplets in die Stratosphäre, während er taumelnd und ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Carlo Vitali
Ein Doppelschlag bekräftigt die republikweite Bedeutung der Oper Frankfurt: Innerhalb von acht Tagen gab es am Willy-Brandt-Platz und im Bockenheimer Depot zwei Premieren, deren Unterhaltungswert in etwa dem Diskussionsbedarf entspricht, den sie auslösen. Wer zu Sarkasmus neigt, könnte meinen, eine höhere Instanz habe diese Kombination gewählt, um das berühmte...
Modern sein gegen die Moderne: Mit dieser Devise könnte Frank Martin (1890-1974) seinen «experimentellen» Umgang mit der Zwölftontechnik begründet haben. Denn wider die Intentionen Schönbergs wollte er die Tonalität nicht ausschalten oder «überwinden», sondern sie auf eine aparte, nichtfunktionale Art neu definieren und dabei dezidiert der musikalischen «Schönheit»...
Wieder einmal hat Cecilia Bartoli Archive nach längst vergessenen Kompositionen durchsucht oder durchsuchen lassen. Und wie stets ist dabei hörenswerte Musik zum Vorschein gekommen. Doch im Gegensatz zu den vorangegangenen Alben, die entweder Musik eines einzelnen Komponisten (Gluck, Salieri, Steffani) in den Mittelpunkt rücken oder sich einem musikhistorischen...
