Verdis schwieriges Erbe
Es war die Idee des Verlegers Giulio Ricordi, zwei vorher nur mäßig erfolgreiche und in ihren künstlerischen Ambitionen grundverschiedene Männer wie Arrigo Boito und Amilcare Ponchielli zu einem Erfolgsteam zusammenzubringen, ja, zu zwingen. Boito hatte mit seiner ehrgeizigen Goethe-Adaption «Mefistofele» (1868) einen der größten Skandale der Operngeschichte provoziert, Ponchielli war noch eine Provinzgröße, die nach einigen Fehlschlägen mit der Zweitfassung seiner Manzoni-Oper «I promessi sposi» gerade etwas Boden unter den Füßen gewonnen hatte. Not macht erfinderisch.
Weil Verdi sich nach der «Aida» von der Opernbühne zurückgezogen hatte, musste ein Nachfolger gefunden werden. Ricordi fasste Ponchielli ins Auge und versicherte sich der Mitarbeit Boitos, den er als Literaten, weniger als Komponisten schätzte. Aus der einmaligen Zusammenarbeit entstand «La Gioconda», die einzige Ponchielli-Oper, die sich bis heute im Repertoire gehalten hat.
Für Boito war es eine Brotarbeit, die ihn von der Weiterführung an seinem eigenen Großprojekt «Nerone» abhielt, für Ponchielli der lang ersehnte Durchbruch, nachdem auch die von Ricordi bestellten «Lituani» an der Scala nicht mehr als einen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es sind Stationen, die sich aus der Rückschau zur Reihe fügen. 1983, Komische Oper: Am Schluss von Mussorgskys monumentalem Versuch einer «Gegengeschichtsschreibung» (Ulrich Schreiber) senkt sich ein riesiges Leichentuch über Bühne, Volk und Herrscher. Die DDR liegt in den letzten Zügen. Eine «Zeit der Wirren» scheint antizipiert, ganz wie beim historischen Zaren...
Den hundertsten Geburtstag von Anton Dermota (1910-1989) wollte die österreichische Firma Preiser wohl nicht abwarten, um den großen Tenor zu ehren, der mehr als vier Jahrzehnte lang Star und Stütze des Wiener Staatsopernensembles war. Auch der fünfundneunzigste erschien als ein guter Anlass, auf drei CDs Opern- und Liedaufnahmen des Sängers zu veröffentlichen,...
Die Werkgeschichte von Karl Amadeus Hartmanns «Simplicius Simplicissimus» nach dem Roman von Grimmelshausen ist nicht ganz unkompliziert: Dem Werk von 1935/36 fügte Hartmann 1939 noch eine ausgedehnte Ouvertüre hinzu. Aber erst 1948 konnte unter dem ursprünglichen Titel «Des Simplicius Simplicissimus Jugend» im Bayerischen Rundfunk die konzertante Uraufführung...
