Spröde Wahrheiten
Im Musiktheater steht der Mythos von Orpheus und Eurydike derzeit wieder hoch im Kurs: In einer Gesellschaft, in der jede dritte Ehe geschieden wird, inspiriert die Trennung von Mann und Frau auch Komponisten. Und das umso mehr, als die bisherigen Orpheus-Opern durchaus noch Platz für neue Gewichtungen lassen: Interessierten sich Monteverdi und Gluck noch hauptsächlich für die Befindlichkeit des männlichen Titelhelden, gilt heute das Zerrüttungsprinzip.
Der Moment, in dem Orpheus und Eurydike sich endgültig trennen, ist zugleich derjenige, in dem die Entfremdung beiden Partnen bewusst wird.
Es ist deshalb auch kein Zufall, dass sowohl Pascal Dusapin als auch Harrison Birtwistle ihre neuen Orpheus-Kammeropern auf diese Szene konzentrieren und den bei Monteverdi noch recht knapp abgehandelten Augenblick der Trennung zum musikalischen Zeit-Raum ausweiten. Während Dusapin in seiner im vergangenen Jahr in Aix uraufgeführten «Passion» den Distanzierungsprozess der Partner erst mit dem Beginn des Stücks einsetzen lässt und unter Rückgriff auf Monteverdis Madrigale eine Zersetzung der Gefühle protokolliert, ist die Aufregung beim 75-jährigen Birtwistle schon längst passé: Wenn Orpheus und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eine Komplilation mit vielen alten Bekannten. EMI hat aus den Katalogen ein paar Höhepunkte zusammengesucht, Mittelmaß ist auch dabei. Vor allem fragt man sich, nach welchen Prinzipien die Nummern aus einzelnen Opern ausgewählt wurden.
Natürlich steht Fritz Busch am Anfang. Von seinen frühen (1934/35) und späteren Aufnahmen (1950/51) gibt es repräsentative Auszüge....
Man muss nicht immer Opern gegen den Strich bürsten. Stoffe wie «Così fan tutte» entfalten gerade ohne krampfhafte Aktualisierung großen Reiz. Bei der Züricher Neuproduktion verlegt Sven-Eric Bechtolf die Geschichte in die Entstehungszeit des Werkes. Im wissenschaftsgläubigen Zeitalter der Aufklärung ist der von Don Alfonso (präsent: Oliver Widmer) angeregte...
Alles hängt in nachtgrauer Luft. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Himmel und Erde. Was war, was ist, was wird – niemand weiß das mehr zu sagen. Kalt fließt die Zeit, ohne Ursprung, ohne Ziel. Die letzte Stunde hat offenbar schon geschlagen, die Welt taumelt ihrem Ende unrettbar entgegen, wenn im Palau de Les Arts Reina Sofía unter den Augen der Königin die...
