Außer sich
In der zweiten Folge ihres Recitals bekannter und wenig bekannter französischer Opern spannt Véronique Gens den Bogen von Rameaus «Les Paladins» bis zu Berlioz’ «Les Troyens», also über ein Jahrhundert, in dem sich in der französischen Kultur und Politik viel bewegt hat. Alceste, Antigone, Didon, Hermione und Cassandre drücken im Gewand der Antike auch die Befindlichkeiten der jeweiligen Entstehungszeit der Opern aus.
Der Titel «Tragédiennes» mag irreführen, denn eine Tragödin im eigentlichen Sinne ist Véronique Gens nicht.
Der empfindsame Ton steht ihr näher als das exaltierte Furioso. Entsprechend singt sie in Cherubinis «Médée» auch keine Arie der Titelheldin, sondern den Klagegesang der Neris, die sonst mit einem Mezzo besetzt wird. In allen Frauenfiguren dieser Kollektion präsentiert sich Gens als eine femme fragile, die durch den Druck der äußeren Umstände außer sich gerät. Und die Talens Lyriques unter Christophe Rousset heizen ihr dabei gewaltig ein. Sensibilität und die Delikatesse ihres Vortrags bestricken, doch wirkt die helle, klare Sopranfarbe der Stimme auf die Dauer etwas einförmig in einem Repertoire, das nach dunklen Abschattierungen verlangt.
Véronique Gens: ...
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