Belcanto mit Fußnoten
Sperrt sich die Belcanto-Oper gegen den szenischen Rigorismus des Regietheaters? In der Salzburger Ära von Gerard Mortier konnte dieser Eindruck entstehen, vielleicht auch wegen der prononcierten italienischen Zuständigkeit Riccardo Mutis. Andererseits war Hans Neuenfels’ «Troubadour» in Nürnberg vor knapp einem halben Jahrhundert so etwas wie ein Erneuerungsfanal der Opern-Optik, ausdrücklich vorgeführt an einem vermeintlich wirren Singstück. Die Lehre hieraus: Es gibt eine dramatisch-musikalische «Vernunft», die nicht eins ist mit kausallogischer Handlungsführung.
Die kann tendenziell außer Kraft gesetzt werden, etwa durch die Komplexität von Personen, die ein Vielfaches von dem verkörpern, was sie in Libretto-Worten auszudrücken vermögen.
Die Affinität moderner Szeniker zu ins Absurde gesteigerten psychologischen Konstellationen und Traumrealitäten knüpft gerne an Werke à la «Trovatore» an, da ist auch Vincenzo Bellinis letzte Oper «I Puritani» nicht weit. 1835 in Paris uraufgeführt, nimmt sie Religionspolitik – den Streit zwischen Puritanern und katholischen Royalisten – sehr viel unbedenklicher als Hintergrund eines Liebes- und Eifersuchtsdramas, als das etwas später bei ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Hans-Klaus Jungheinrich
Auf den Aufstand der Matrosen ist man in Kiel mächtig stolz. Als Helden einer Erhebung werden sie heute verehrt, die das morsche Kaiserreich zum Einsturz brachte. Als mutige Vorkämpfer der ersten Demokratie auf deutschem Boden. Der Platz zwischen Hauptbahnhof und Hörn, dem südlichen Hafenbecken, trägt seit 2011 ihren Namen, und in der alten Fischhalle am Wall...
Nun hat der neue Musikchef also offiziell seinen Einstand gegeben. Mit einer neuen «Traviata», die Willy Deckers legendäre, aus Salzburg übernommene Inszenierung (2010) ersetzt. Wie ein Held wurde Yannick Nézet-Séguin schon gefeiert, bevor der erste Takt der Ouvertüre erklungen war. Als der Dirigent nach der Premiere den frenetischen Schlussapplaus entgegennahm,...
Vor einigen Jahren erwies Joyce DiDonato mit ihrem Album «Stella di Napoli» der Stadt am Vesuv und einigen der dort wirkenden Komponisten des 19. Jahrhunderts ihre Reverenz. Neapel war aber schon im vorangegangenen Jahrhundert zu einer der bedeutendsten Musikstädte Europas geworden und hatte eine Fülle großer Musiker hervorgebracht. Dem «Napoli galante» ist das...
