Eine bedrohliche Tendenz
Herr Professor Zehelein, nachdem der «Spiegel» einen Vorabdruck aus «Der Kulturinfarkt» veröffentlicht hat, kam eine der ersten Reaktionen vom Deutschen Bühnenverein. Was regt Sie auf an diesem Buch?
Da erzählen uns vier Kulturprovokateure, dass die Hälfte unserer Theater, Museen und Bibliotheken etc. überflüssig sei. Zuerst dachte ich: Die vier Autoren wollen ins Geschäft, die wollen jetzt die finanzklammen Städte beraten. Was – angesichts des Buches – an sich schon eine massive Selbstüberschätzung wäre.
Peinlich wird es, weil diese Autoren überhaupt keine Alternativen anbieten. Welche Institutionen genau wegfallen könnten und wie das Geld sinnvoll anders eingesetzt werden soll, sagen sie nicht. Was das Buch fordert, ist nicht weniger als eine radikale Umsteuerung der Kulturpolitik in der gesamten Republik – und dann stellt man fest: Die Autoren wissen gar nicht, welche qualitative Arbeit in den von ihnen abgewatschten Kulturinstitutionen geleistet wird. Sie wissen gar nicht, wovon sie reden. Sie machen es sich außerdem leicht, wenn sie gegen falsch eingesetzte öffentliche Finanzierung polemisieren und ihre keineswegs schlechten Gehälter, samt allen Absicherungen, die damit ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Stephan Mösch
«Hamlet» von Ambroise Thomas wird im deutschsprachigen Raum nur selten gespielt. Wenn doch, dann um einer Koloratursopranistin den roten Teppich auszurollen. Die Neuproduktion im Theater an der Wien verspricht mehr. Mit Marc Minkowski und Olivier Py ist ein Erfolgsteam am Werk. Christine Schäfer gibt ihr Rollendebüt als Ophelia
Er gilt als der wichtigste deutsche...
Christian Jost zählt zu den erfolgreichsten deutschen Opernkomponisten seiner Generation. Zuletzt war er mit «Die arabische Nacht» nach dem gleichnamigen Theaterstück von Roland Schimmelpfennig im Gespräch. Der 48-Jährige setzt sich erfrischend von seinen Altersgenossen ab, indem er sich auf aktuelle Literatur stützt, statt sein Heil in den Tiefen der antiken...
Für die Hölle gibt’s Szenenapplaus. Ein rot glühendes Fabrikglashaus mit gehörntem Direktor und diabolischer Belegschaft, die Neuzugänge im Zahnräderwerk einer Dampfmaschine entsorgt. Ein Wimmelbild, das die ganze Semperopernbühne füllt und offenbar ganz nach dem Geschmack des feinen Dresdner Premierenpublikums ist. Überhaupt kommt der aufwändig gepflegte...
