Milde, Liebe, Vergeben
Was den musikalischen Teil betrifft, war dies die beste, wichtigste und geschlossenste Verdi-Premiere, die Berlin seit Langem erlebte. Dazu gleich mehr. Was den szenischen Teil betrifft, war es die unwichtigste, überflüssigste und wahrscheinlich auch teuerste Verdi-Premiere, die Berlin seit Langem erlitt: eine Koproduktion mit der Scala, an der Daniel Barenboim bekanntlich «Maestro Scaligero» ist.
Was der Kunsthistoriker und Schauspielmann Federico Tiezzi «inszenierte», streift oft die Grenze des unfreiwillig Komischen und erinnert (in Hass- und Liebesszenen gleichermaßen) an Otto Schenks wunderbare Opernparodien. Ganz sicher wird es in Mailand ein Riesenerfolg. Tiezzi suggeriert einen kunsthistorischen Rundgang (goldene Pappgotik!), mit finalen Abstechern ins 19. Jahrhundert. Man sieht Posen, Schreitarrangements, Händeringen und Schutzmanngesten. Die opulenten, geschmackvollen und sich selbst genügenden Kostüme wurden von Giovanna Buzzi entworfen und in Mailand angefertigt.
Wenn es stimmt, was in (fast) allen Berichten stand, nämlich dass die Staatskapelle in der Premiere von Barenboim zu einem knallig-überlauten, die Stimmen bedrängenden, letztlich stilfremden Spiel angehalten ...
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