Klingendes Aroma
Annamania, LangLanglitis – keine Seuchen, auch nicht ansteckend. Doch dahinter verbergen sich Symptome, die auf eine Erkrankung schließen lassen. Die Krankheit könnte man «Trend» nennen oder «Event». Es geht um die Kasse, und das ist durchaus legitim. Verwunderlich nur, dass sich die Symptome mittlerweile wie selbstverständlich auf eine Branche erstrecken, die sich erst seit wenigen Jahren damit infiziert hat: die Klassik.
Gemeint sind Alben mit den «Pop-Stars der Klassik» (welch abstruser Begriff!), mit jenen Musikern also, die es bis auf unsere Litfaßsäulen und in TV-Werbespots gebracht haben. Anna Netrebko hat unter dem Titel «In the Still of Night» ihren Salzburger Liederabend von 2009 mit Daniel Barenboim veröffentlicht; Plácido Domingo lässt sich von Lang Lang begleiten; Bryn Terfel leiht den «Bad Boys» der Operngeschichte seine Stimme. Zufall oder nicht: Alle drei Veröffentlichungen ziert das Gelblabel. Sie entstammen dem Hause Universal. Dort wird man nicht müde, ausgewählte Produktionen bereits im Vorfeld im Hochglanzformat zu bewerben. Da werden, auf hochwertigem Kartonpapier, Broschüren entworfen, die mit den jeweiligen Tourdaten, einem Einführungstext in drei Sprachen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Francis Poulencs 1957 uraufgeführte Oper «Dialogues des Carmélites» passt nicht mehr in unsere Zeit – könnte man denken. Was soll der moderne, ideologiekritische Mensch mit dieser wahren Geschichte von Karmeliterinnen anfangen, die in den Nachwehen der Französischen Revolution singend zur Guillotine schritten? So dachte zumindest Benedikt von Peter, als er die...
Das Theater beginnt schon vor dem Theater. Noch ist kein Ton erklungen, geht es schon hoch her auf der Bühne der Leipziger Oper, wo sich, in ziemlich getreuer Abbildung, der Zuschauerraum der Leipziger Oper befindet. Ein buntes Völkchen strömt, befeuert vom Prinzipal der für diesen Abend engagierten Theatertruppe (mit Verve und Witz: der Schauspieler Friedhelm...
Müßig zu spekulieren, wie sich Händels Schaffen entwickelt hätte, wenn er nach dem Erfolg seiner «Agrippina» in Italien geblieben wäre. Eines allerdings ist sicher: So bissige Töne wie in der 1709 entstandenen Komödie über den Cäsarenhof erlaubte er sich später niemals wieder – schon allein, weil sich in seiner neuen britischen Heimat alles verbot, was als Angriff...
