Aus dem Leben eines Taugenichts
Im Sommer hatte ich ein paar Wochen frei. Ich verbrachte sie – selbst ist der Tenor! – damit, meiner Tochter eine neue Küchenzeile zu bauen.
Viele Leute sind mächtig überrascht, wenn sie hören, dass Sänger durchaus eine Bohrmaschine von einem Akkuschrauber unterscheiden können. Dabei habe ich schon Wände hochgezogen, Heizungsrohre und Fliesen verlegt oder elektrische Leitungen installiert. Nur ein einziges Mal ließ ich zum Streichen einen Maler kommen. Fazit: Hätt’ ich selbst besser hingekriegt.
Natürlich gibt es Sänger, die lieber sterben, als mal eine Zange anzufassen.
Allerdings bin ich eher geneigt, den Dirigenten und Regisseuren das Händchen fürs Handwerk abzusprechen. Da kenn’ ich nämlich welche, die nicht mal einen Korkenzieher bedienen können – geschweige denn eine Kreissäge. Meine finstere Überzeugung ist, dass manche Exemplare dieser Spezies so sehr ans Kommandieren gewöhnt sind, dass sie gar nicht auf die Idee kommen, mal etwas selbst zu machen. Umgekehrt habe ich viele Kolleginnen und Kollegen, die in Phasen vokaler Arbeitslosigkeit hingebungsvoll heimwerkeln. Mal ehrlich, macht doch Sinn: Im Fall der Küche müsste ich für die Handwerkerrechnung dreimal den Messias ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Christopher Gillett
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Der Mozart-Zyklus aus Baden-Baden wächst. Das Prinzip «Ereignis» wird von den Produzenten auch für «Le nozze di Figaro», den vierten Teil des Projekts, reklamiert: Große Namen der Branche kommen kurz zusammen, um als Ensemble Bedeutendes zu erreichen.
Das künstlerische Ergebnis indes bleibt, gemessen an den hochgezüchteten Erwartungen, durchaus überschaubar: viel...
Frau Foster-Jenkins … darf ich Sie Florence nennen?
Nein. Sie dürfen mich Frau Foster-Jenkins nennen.
Darf ich Sie was Persönliches fragen?
Bitte.
Wie fühlt es sich an, als die mieseste Sängerin aller Zeiten zu gelten?
Das kann ich Ihnen schwerlich beantworten. Damit sollten Sie sich an jemanden wenden, der dieses Problem schon mal hatte.
Gut, lassen Sie es mich...
