Nicht nur Segelschiffe vor Vollmond
Gleich am ersten Abend gibt es ein farbiges, lebendiges Kontrastprogramm: Nach dem «Don Quixote» von Richard Strauss, einigen abenteuerlich ineinanderfließenden Szenen aus dem «Rosenkavalier», mit dem die Finnische Nationaloper Helsinki in der Turun Konsert-titalo gastiert (Ritva-Liisa Korhonen singt die Marschallin, Lilli Paasikivi ist Oktavian, und Tiina Vahevaara ist Sophie), ergeben sich kontroverse Gespräche mit finnischen Opernkomponisten wie Kalevi Aho (dessen Monodrama «Die Schüssel» 2006 in Turku uraufgeführt wird) und Mikko Heiniö (siehe Kasten).
Danach – kaum sind pünktlich zum Beginn des einwöchigen Musikfestivals endlich wieder Sommer und Sonne eingekehrt – feiert die Stadt bei Biergarten-Temperaturen die halbe Nacht: mit Feuerschluckern und Dudelsackpfeifern, Pop-, Rock- und Volksmusik auf vielen Plätzen, in den bis Mitternacht geöffneten Museen und auf einer Imbiss- und Bier-Meile am Ufer des Aurajoki.
Die Kneipen, die hier oft nach ihrer ehemaligen und noch heute sicht- und erlebbaren Einrichtung benannt wurden, sind selbst an einem ganz normalen Donnerstag lange Zeit rappelvoll: «Old Bank» in großartiger Art-Déco-Architektur; das «Koulu» (Schule), ein ...
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Gibt es für das Böse eine Grenze auf unserer Erde? Diese rhetorische Frage stellt Thyeste sich in der gleichnamigen Oper des niederländischen Komponisten Jan van Vlijmen, die nun ihre Uraufführung am Brüsseler Théâtre de la Monnaie erlebte – als Koproduktion mit der Nationalen Reiseoper Enschede. Die Frage liegt auf der Hand, hatte Thyeste doch gerade, ohne es zu...
Gut möglich, dass John F. Coetzee, der südafrikanische Nobelpreisträger, Becketts «Warten auf Godot» im Hintersinn hatte, als er im Jahr 1980 seinen Roman «Waiting for the Barbarians» schrieb. Hier wie dort warten Menschen darauf, dass jemand auf der Bildfläche erscheint. Und in beiden Fällen entpuppt sich das Warten als wesentliche Handlung; diejenigen, respektive...
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