Diskurs ist alles: Suzanne McLeod (Anhilte); Henrike Jacob (Sylva Varescu), Gregor Dalal (Feri), Erwin Belakowitsch (Graf Boni) in Münster; Foto: Theater/Oliver Berg
Zum Mitsingen schööön
Wer über kompendiöse Operettenkenntnisse verfügt, etwa der emeritierte Germanist Volker Klotz, könnte ein «Repertoire» von Hunderten spielbarer Werke dieses Genres zusammenstellen. In der gegenwärtigen Theaterpraxis figurieren jedoch nur noch eine Handvoll «klassischer» Operetten; und sie müssen sich den ohnedies kaum üppigen Anteil unterhaltsamen Musiktheaters in den Spielplänen mit dem etwas moderneren Musical teilen.
Noch vor gut 40 Jahren gehörte Wiesbaden (dank geografischer Nähe der rheinischen Sektfabrikanten) zu den Operetten-Domänen mit jährlich fünf Neuinszenierungen und einem speziell ausgebildeten Interpretationsstil – der viele Jahre amtierende Operettenkapellmeister, nachgerade eine Legende, hieß Bernhard Stimmler. Operettenhochburgen wie Bad Ischl und Mörbisch, die auf eine der spezifischen geistigen und institutionellen Heimatregionen dieser leichten Muse verweisen, haben den Rang eines tourismusindustriell verwertbaren Kulturerbes. Hochkulturelle Nobilitierung der Operette signalisieren ambitionierte Tonträgerprojekte, vorzugsweise bei der Firma cpo und mit dem Dirigenten Ulf Schirmer, der, cum grano salis, die Schatzsucherrolle von Gerd Albrecht übernommen hat. ...
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Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Hans-Klaus Jungheinrich
Besonders früh musste Elisabeth Schwarzkopf nicht aufstehen. Zwar war die junge Sopranistin im Jahr 1940 die «Frühbesetzung» in «Der Liebling des Kalifen» (nach Karl Maria von Webers «Abu Hassan»), der ersten in Deutschland speziell fürs Fernsehen produzierten Oper. Doch ging die erste Live-Ausstrahlung erst ab 15 Uhr über die damals noch spärlich vorhandenen...
Der Geiger Henri Marteau (1874-1934) – der Vater Franzose, die Mutter Deutsche – versuchte zeit seines Lebens den Spagat zwischen Frankreich und Deutschland. Er war als Nachfolger des großen Joseph Joachim Professor an der Berliner Musikhochschule, geriet zwischen die Fronten, wurde in Deutschland als französischer Reserveoffizier bei Kriegsausbruch 1914...
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten sich in der europäischen Literatur schwüle Stimmungen breitgemacht. In der italienischen Oper spielte solcher «decadentismo» jedoch nur eine zweitrangige Rolle. Zwar standen die meisten Komponisten in Wagners Bann, doch ein Puccini, im Grunde seines Herzens Kleinbürger, konnte mit jener elitären Strömung nie wirklich etwas...
