Ein bisschen Zirkus ist immer dabei
Ein Knall, ein Fall. Als man den Einschlag einer Bombe hört, rauscht der vor dem Orchestergraben hochgezogene Vorhang zu Boden und enthüllt den Besuchern im Parkett, was die in den oberen Rängen, für die das Tuch nicht die ganze Bühne verhüllte, schon wussten: dass das Orchester bei diesem «Nabucco» sich oben befindet, auf einer Tribüne über einer länglichen Box. In Letzterer das verängstigte Volk, davor auf dem verdeckten Orchestergraben die Solisten.
Im ersten Stock also der Dirigent Johannes Fritzsch mit seinen Instrumentalisten, der Verdis Oper mit Verve, Drive und Präzision serviert. Das Arrangement wirkt auf den ersten Blick wie ein Gag, doch Jörg Koßdorff, Grazer Intendant und Regisseur des Abends, hat einleuchtende Argumente parat: «Die Idee, das Orchester fast wie eine Zirkuskapelle auf der Bühne agieren zu lassen, kommt ganz aus der Musik. Die Partitur ist ja voll von zirkushaften ‹Banda›-Momenten und militärischem Gestus. Verdi hat in seiner für seinen weiteren Weg entscheidenden dritten Oper versucht, die Guckkastenbarriere zu brechen und mit direkten Emotionen Publikum und Bühne in einem Raum zu vereinen. Bei anderen Verdi-Opern wäre ich nie auf ein solches Konzept ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als Christoph Marthaler 1994 in Frankfurt Debussys «Pelléas et Mélisande» inszenierte, meinte er zu Recht, Natur liege so tief in dieser Musik, dass man sie nicht verdoppelnd auf die Bühne bringen sollte, das Stück würde sich sonst auflösen. Daher reagiert man zunächst skeptisch, wenn zu Beginn von Laurent Pellys Produktion des Werks am Theater an der Wien genau...
Hoch hinaus wollte er schon als ganz junger Mann. Gerade fünfzehn war Christian Jost, da drückte er am Theater seiner Heimatstadt Trier als Ballettrepetitor die Klavierbank. Damals ahnte er bereits, dass der Begleitdienst an den Tasten auf Dauer nicht sein Ding war. So wenig wie eine Medizinerkarriere, die sich die Mutter so sehr wünschte. Oder ein...
Regisseurin Beverly Blankenship hatte geradezu kindlichen Spaß an der mit Wasser gefluteten Bühne von Marianne Hollenstein. Sie ließ nach Herzenslust planschen in der Münchner Erstaufführung von Nikolai Rimsky-Korsakows «Märchen vom Zaren Saltan», der seine Frau und den vermeintlich missgestalteten Sohn in einem Fass auf dem Meer aussetzt. Ob ein singender Schwan...
