Interview
Glucks «Orfeo ed Euridice» ist nach dem Brüsseler «Parsifal» von 2011 die zweite Oper, die Sie inszenieren. Warum haben Sie sich erst so spät dieser Gattung zugewandt?
Unter allen Gattungen empfinde ich die Oper am stärksten als rückwärtsgewandt und konservativ. Sie stellt eine Welt ohne Sauerstoff dar, die in erstickender Weise an eine bestimmte Vorstellung von Repertoire gefesselt ist. Man kann Oper inszenieren, aber nur an ausgewählten Orten. Es erfordert einen grundsätzlichen Glauben an die Regie.
Wir müssen ein Werk in die Gegenwart tragen, anstatt zu rekonstruieren und zu restaurieren – sonst wird die Oper zu einem Mausoleum.
In einem Interview nannte Festwochen-Intendant Markus Hinterhäuser Ihren «Orfeo» das mit Abstand schwierigste Projekt, für das er jemals verantwortlich gewesen sei.
Die größte Herausforderung bestand darin, zu beurteilen, ob die Idee, eine Komapatientin in dieser Weise zu zeigen, ethisch überhaupt vertretbar ist. Dies war nur durch zahllose Gespräche möglich – mit Experten, Ärzten, der Familie und schließlich auch mit der Patientin selbst.
Wie ging die Kommunikation mit der Patientin vonstatten?
In erster Linie über die Eltern. Die Patientin befindet ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Lena Drazić & Juri Giannini
Möglicherweise sei unsere Welt die Hölle eines anderen Planeten, lesen wir in altertümlicher Schreibmaschinenschrift auf dem Vorhang, bevor dieser hochfliegt und ein dumpfes Brummen wie Kopfschmerz durch das Braunschweiger Staatstheater zieht. Roland Schwab inszeniert die deutsche Erstaufführung von Vivaldis «Farnace» – uraufgeführt 1727 in Venedig und bis 1738...
Am 8. Juli 1947 notiert Thomas Mann in seinem Tagebuch, er habe ein «Neues, langes Schreiben von Furtwängler» erhalten und kommentiert lapidar: «töricht». Der Schriftsteller reagiert mit Schweigen.
Worum geht es? Im Mai 1947 kehrt Wilhelm Furtwängler nach seiner Entnazifizierung ans Pult der Berliner Philharmoniker zurück. Gleichzeitig befindet sich Mann, aus dem...
Haben Sie sich die Zeit nach Ihrer Intendanz so vorgestellt?
Nee. Jedenfalls nicht so arbeitsreich. Ich hatte schon gehofft, etwas mehr Freizeit zu haben und das Zuhause genießen zu können. Ich bin fast genauso viel auf Reisen wie zu Sängerzeiten.
Man könnte sich auch dagegen entscheiden.
Ja, das stimmt wohl. Aber wenn man im Alter noch so gefragt ist, ist das schon...
