Alles in einem Ei

China ist ehrgeizig. Im Pekinger National Center for the Performing Arts hat man sich daran gemacht, Oper nach westlichem Vorbild zu lernen – um eines Tages ganz vorn mitzuspielen. Den neuen Lohengrin gibt es deshalb in doppelter Besetzung. Die Gäste aus dem Westen machen’s vor, dann gibt es Wagner mit chinesischen Sängern.

Opernwelt - Logo

Dämmerung senkt sich über die chinesische Hauptstadt. In der Xirongxiang-Hutong werden jetzt die Garküchen aufgestellt; Duft von gebratenem Fleisch mischt sich in die beißend kalte Luft. Transportmotorräder klappern durch die schmale Gasse. Über die niedrigen Giebel der kaum ein Zimmer breiten Häuschen erhebt sich eine riesige Glaskuppel, in der sich blaurosa das Abendlicht spiegelt: Surreal wirkt es aus dieser Perspektive, das National Center for the Performing Arts (NCPA), wie ein UFO auf dem Dorfplatz.



Von der achtspurigen Parallelstraße aus betrachtet, der Chang’an-Avenue, bietet sich ein komplett anderes Bild. Im historischen Herzen des modernen China reiht sich ein monumentaler Repräsentativbau an den anderen, ein paar Quadratkilometer geballter Geschichte. Direkt neben dem NCPA befinden sich die Große Halle des Volkes, der Platz des Himmlischen Friedens, die Verbotene Stadt. Ringsum schimmert das Lichtermeer der Pekinger Skyline: gesichtslose Wohntürme, so weit das Auge reicht. «Graue Gassen» wie die Xirongxiang-Hutong haben nur versprengt überlebt. Nach der Gründung der Volksrepublik wurde die Hauptstadt energisch modernisiert, ein Bestreben, das 2001 erneut Fahrt aufnahm, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Reportage, Seite 50
von Wiebke Roloff

Weitere Beiträge
Was kommt...

Eva-Maria Westbroek
gibt jeder ihrer Rollen ein ganz persön­liches Profil. Jetzt debütiert die niederländische Sopranistin in Brüssel als Puccinis Manon Lescaut. Weg von der Wagner-Strauss-Schiene: eine gute Entscheidung

Joseph Calleja
ist Malteser, Mitte Dreißig und einer der gefragtesten Tenöre unserer Zeit. An der
Metropolitan Opera hat er bereits drei...

Theater der Ortlosigkeit

Lange Zeit war in der Opernlandschaft Nordrhein-Westfalens Wuppertal die wichtigste Adresse für Salvatore Sciarrinos fragiles Musiktheater. Seit 2002 wurden dort nicht weniger als vier seiner Opern in zumeist exemplarischer Weise (in Koproduktion mit Schwetzingen) gezeigt, 2009 kam La porta della legge zur viel beachteten Uraufführung. Mit dem Niedergang des...

Singen aus der Volksseele

Aus den Ohren, aus dem Sinn. Gustav Walter, Heinrich Pflanzl: zwei Sänger, Tenor der eine, Bass der andere, Ersterer in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts tätig, der andere in den ersten sechs Jahrzehnten des zwanzigsten, beide zu Lebzeiten angesehen und danach fast vergessen. In den großen deutschen Sängerlexika kommen die beiden nur marginal vor;...