Voodoo-Zauber in der Reederei
Da hat Andreas Homoki schon Recht: Gespenster auf der Bühne – das geht heutzutage nicht mehr. Es funktioniere ja nicht einmal im Horrorfilm richtig, sagt der Zürcher Opernintendant im Programmheft zu seiner ersten eigenen Inszenierung am neuen Haus. Da es sich um Richard Wagners Fliegenden Holländer handelt, in dem Spuk und Übersinnliches etwas Werkkonstituierendes haben, scheint die Überlegung nicht obsolet.
Aber den Grusel ganz zu verbannen, hieße bei diesem Werk aus demselben Grund auch: ein Stück weit die Musik ignorieren, mit der der Komponist so vieles vorweggenommen hat, was bis heute in der Filmmusik Gültigkeit hat.
Homokis Holländer-Figur haftet etwas Surreales an. Der Untote weckt Assoziationen an Voodoo-Zauber. Nicht von ungefähr: Die Inszenierung bewegt sich im Kontext von Kolonialismus und Fremdenphobie. Schauplatz ist ein Reedereikontor im Stil der Gründerzeit: Der Seefahrer Daland: ein frühkapitalistischer Unternehmer; seine Mannschaft: Büroangestellte, die von der Sturm-katastrophe via Fernschreiber erfahren. Homoki und sein Bühnenbildner Wolfgang Gussmann, der zusammen mit Susana Mendoza auch die Kostüme besorgt hat, haben in die Mitte ihres Kontors einen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Heinz W. Koch
Manche mögen’s laut. Seit Edgar Varèses Orchesterdetonationen hat sich kaum ein Komponist so lustvoll fortissimo ausgetobt wie Samir Odeh-Tamimi. Als der in Tel Aviv geborene Wahlberliner aus einer palästinensischen Familie 2010 bei der Ruhrtriennale seine erste Oper vorstellte (Leila und Madschnun), wirkte die ungestüme Energie, die kunstvoll-rohe Kraft seiner...
Nicola Porpora hatte bereits eine erfolgreiche Karriere in Italien hinter sich, als er 1733 von der mit Händels Opernakademie konkurrierenden Adelsoper nach London geholt wurde. Am Ende des gnadenlosen Wettstreits waren beide Unternehmen bankrott, Porpora ging nach Venedig zurück, Händel verlegte sich aufs Oratorien-Komponieren. In Erinnerung blieb Porpora als...
Eva-Maria Westbroek
gibt jeder ihrer Rollen ein ganz persönliches Profil. Jetzt debütiert die niederländische Sopranistin in Brüssel als Puccinis Manon Lescaut. Weg von der Wagner-Strauss-Schiene: eine gute Entscheidung
Joseph Calleja
ist Malteser, Mitte Dreißig und einer der gefragtesten Tenöre unserer Zeit. An der
Metropolitan Opera hat er bereits drei...
