Gezeichnet, überzeichnet
Es beginnt vielversprechend: Zu den ersten Takten, noch bevor der Vorhang ganz oben ist, dringt ein markerschütternder, langgezogener Schrei in den Zuschauersaal der Komischen Oper. Alles scheint in diesem Schrei enthalten: die gebrochenen Herzen der vielen Frauen, die der Herzog von Mantua benutzt und dann weggeworfen hat; die Verzweiflung der vielen Väter, über die sich Rigoletto grausam lustig gemacht hat; der Riss in der pubertierenden Jungmädchenseele von Gilda, die ihr Leben hingibt, um das des Herzogs zu retten.
Dann sieht man eine Figur mit grotesk großer Maske (die, wie kurz darauf klar wird, Rigoletto selbst ist) auf der Bühne tanzen, die Augen zu einem weltvergessenen Grinsen zusammengepresst, der Mund ein schmerzhaftes Lachen – oder ist es ein verzweifeltes Weinen?
Unter ihrem gigantischen Rock kriechen die anderen Figuren hervor, bis nach und nach die ganze Gesellschaft am Hof des Herzogs versammelt ist. Ein überzeugendes, schlüssiges Bild, suggeriert es doch, dass Rigoletto (der hier keinen Buckel hat) ein Gezeichneter ist und zugleich ein Fremder, von der höfischen Gesellschaft so weit isoliert wie die Ränder seines ausladenden Rockes. Er selbst gebiert die Ungeheuer ...
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