Arena der Emotionen
Als Goethe 1824 «Tancredi», Rossinis ersten Welterfolg, in Weimar sah, störte er sich an der «hohlen Prätention einer heroischen Oper»: «Wenn nur keine Helme, Harnische, Waffen und Trophäen auf dem Theater erschienen wären»! Was Cordula Däuper jetzt in Mannheim mit dem selten gespielten Stück angestellt hat, hätte Goethe wohl gefallen. Sie vertraut dem klassizistischen Geist dieser Musik, die weniger das Tor zur Romantik öffnet, als der Seria-Tradition des ausgehenden 18. Jahrhunderts huldigt, wie zuletzt Cimarosa und Paisiello sie verkörperten.
Realismus wäre da fehl am Platz.
Däuper und ihr Bühnenbildner Ralph Zeger verzichten auf eine gewaltsame Aktualisierung oder störende Bebilderung des auf einem Versdrama Voltaires beruhenden «melodramma eroico». Sie setzen vielmehr einen strengen Rahmen, der die Tragödie der Missverständnisse zwischen Tancredi und Amenaide zwar akzentuiert, das Geschehen aber ganz auf das Seelendrama fokussiert. Im Zentrum der rückwärts durch eine eiserne Wand abgeschlossenen, meist dunkel abgedimmten Bühne steht ein schwarzes Podest – eine Arena der Emotionen für den Verbannten und die Tochter des Staatsoberhaupts. Zur Tür in der Rückwand führt ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Uwe Schweikert
Herr Rothe, seit letzten Oktober müssen die Sächsischen Staatstheater mit fremdenfeindlichen Protesten direkt vor der Haustür umgehen.
Jeden Montag erleben wir, wie sich in Dresden die Atmosphäre verdüstert. Am nächsten Tag wirkt die Stadt dann wieder, als wäre alles in Ordnung – aber jeder weiß, dass das nicht stimmt. Unheimlich ... Angefangen hat alles im Oktober...
Toshio Hosokawa, Miroslav Srnka
Hamburg bringt die Oper «Stilles Meer» heraus, in der sich der japanische Komponist mit der Katastrophe von Fukushima auseinandersetzt. München lädt zu einer historischen Reise an den «South Pole», musikalisch grundiert von einem jungen Tschechen. Zwei Uraufführungen
Oksana Lyniv
Sie war schon Vize-Chefdirigentin in Odessa und nahm...
Mit dem Schlagwort «Jahrhundertfigur» sollte man behutsam umgehen. Trotzdem fällt es schwer, bei Pierre Boulez nicht der Assoziation zu verfallen, hat er doch seit den 40er-Jahren vielfältig die Musikkultur beeinflusst, vorangetrieben, Ideal und Wirklichkeit auch politisch in Bewegung versetzt. Doch zur Galionsfigur taugt er nicht, hat dies sogar einmal...
