Ergreifend
Schon das erste Bild fasziniert in seiner suggestiven Erzählkraft: Das vielfach verflochtene Schicksalsseil der Nornen hängt, den gesamten Hintergrund ausfüllend, in zwei riesigen Knoten aus dem Schnürboden herab. Ein gelungener Entwurf der für das Bühnenbild zuständigen japanischen Installations- und Performancekünstlerin Chiharu Shiota – klar in der Optik, deutlich in seiner imaginativen Aussage. Gleichzeitig ist dieses Bild ein optisches Bühnenzitat aus dem vorangegangenen «Siegfried», bewirkt also eine Verknüpfung der einzelnen «Ring»-Teile.
Auch das Ross Grane, das – entworfen von Marc Schnittger – als eine von drei Spielern zum Leben erweckte Skelettpuppe vorgeführt wird, ist eine solche Reminiszenz an Früheres, hier an die ebenfalls von Puppen dargestellten «Rheingold»-Riesen und den Drachen im «Siegfried». Im Rückblick erkennt man so, wie Regisseur Daniel Karasek, der unlängst seinen Kieler Intendantenvertrag gerade bis 2025 verlängert hat, aus den einzelnen Abenden der Tetralogie ein zusammenhängendes Ganzes zu formen versteht, in dem nicht zuletzt auch die Videos von Konrad Kästner, etwa mit dem Gedanken der Umweltzerstörung, und die bisweilen an Wieland Wagner erinnernde ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Gerhart Asche
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Gibt es eine «gelungene» sowjetische Oper nach 1945? Schwer zu sagen, was im Jahr 1959 vielleicht eine gewagte Satire war, die in der Periode von Tauwetter und Entstalinisierung ideologisch gepusht wurde, erscheint heute einem Bühnenmann und Regisseur wie Dominique Horwitz nur als fade Beschönigung der wirklichen Verhältnisse im Realsozialismus.
Die Rede ist von...
Ein französischer Komponist aus der Zeit Ludwigs XIV., dessen Name nicht geläufig ist – das macht zumindest neugierig. Umso mehr, als der selbst im Bielefelder Katalog kaum vertretene Nicolas Bernier (1665-1734) hier mit Kammerkantaten vorgestellt wird, deren Meisterwerke von Campra über Clérambault bis zu Montéclair und Rameau bekannt sind und in zahllosen...
