Muskelspiele
Wenn es tagt, dann wendet sich auch der König der Sonne zu. Der Helligkeit, der Kraft, der Erkenntnis. Ein finales Dur-Aufgischten markiert die Lösung des inneren Konflikts, die Läuterung, das Heraustreten aus dem bisherigen Sein – und den Gegenpol zur dunklen Verführung zuvor. Eine Apotheose, in Nürnberg allerdings ein kurzer Schreckensmoment. Ein Scheinwerfer fällt herab, baumelt minutenlang am Kabel, sendet sein taumelndes Licht über Bühne und Parkett. Keine Panne, eine Konterkarierung. Das Leuchten, es kommt wie ein Versehen. Genauso wie der Müll, der aus dem Schnürboden regnet.
Das Ende ist hier nicht Aufbruch, sondern nihilistischer Stillstand.
Überhaupt tut Regisseur Lorenzo Fioroni viel, um Karol Szymanowskis süffigen, sündig oszillierenden «König Roger» alles Gefällige auszutreiben. Sizilien, der Handlungsort dieser «Bakchen»-Variante, bringt Fioroni auf Naheliegendes: Eine mafiöse Familie trägt anfangs ihren alten Paten zu Grabe. Der Ring des Toten geht über auf Roger, und Roxane leidet schwer am Gefangensein in der enggezurrten Clan-Struktur. Nürnbergs «König Roger» ist allerdings mehr als ein Generationendrama, mehr als eine Tragödie um familiäre Verkrustungen und ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Markus Thiel
Am Ende wurde gespart. Leider. Denn ein Buch wie dieses verdient ein Register. Man möchte gern nochmals nachschlagen, will vergleichen. Doch das funktioniert nur, wenn man beim Lesen selbst einen Zettel mit Stichworten füllt. Dabei ist dieses Buch so reich an Thesen und Beobachtungen, an streitbaren und unzweideutigen. Einige Beispiele: «Es wird viel zu häufig von...
Herr Shicoff, Sie galten als idealer Sänger für gebrochene, auch intellektuelle Charaktere. Hat Ihnen das gefallen?
Dem habe ich nie getraut. Ich wollte nie bewusst den Eindruck erwecken, ein intellektueller Sänger zu sein. Emotionale Sänger schätze ich eigentlich weit höher. Ich glaube, wann immer ich Erfolg hatte, geschah das, weil ich emotional mit meinen Rollen...
Ein double bill, wie der Engländer die Vorstellung von zwei Werken zu einem Preis nennt, ist der jüngste Abend der Kölner Oper vor allem durch die Potenzierung dessen, was sich schon in den Titeln der Werke ankündigt: Gefangenschaft, Schuld, Unrecht, kirchlicher Machtmissbrauch. Wobei die durchgehende Figur des Großinquisitors alle Momente in sich vereint.
Warum...
