Die doppelte Bartoli
Ein wenig ungalant ist es schon, aber sie provoziert eine solche Teilung der Karriere ja selbst – in eine «alte» Cecilia Bartoli und in eine «neue». Und das Beste ist: Beide begegnen einem innerhalb von nur 24 Stunden auch noch am selben Ort, in Salzburgs Haus für Mozart. Die frühere, der Koloraturenspringball, die Sängerin, die irrsinnigen Spaß am Zierrat hat, an der Jonglage mit Noten und Dynamikwerten, am Charmieren mit Kollegen, Dirigent und Parkett, die ist bei Händel aktiv. In einer konzertanten «Semele», die weitgehend identisch ist mit der Zürcher Besetzung von 2009.
Charles Workman als Jupiter ist wieder dabei, dessen Stimme zum Heldischen drängt, aber nichts von ihrer Geläufigkeit eingebüßt hat. Und Birgit Remmert, die ihre Juno so herrlich aufplustern kann, dass die Blitze des Gatten dagegen wie müdes Funkeln wirken.
Aber entscheidender ist ja die andere Bartoli, die sich hier, am Schauplatz ihrer eigenen Pfingstfestspiele, entwickelt. Mit Bellinis «Norma» hat das vor zwei Jahren angefangen. Und jetzt, mit Glucks «Iphigénie en Tauride», hat sie eine weitere Tür aufgestoßen: So schonungslos, so ungeschminkt, so herb war die Römerin nie. Vielleicht auch, weil sie weiß, dass ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Markus Thiel
Gaetano Donizettis «Poliuto» wurde 1838 in Neapel verboten, weil die Zensoren fanden, der Stoff habe auf einer weltlichen Bühne nichts verloren. Durchaus riskant, ein traditionell mit Champagner-Picknicks und dem Entertainment von Firmenkundschaft assoziiertes Opernfestival mit etwas so Schwerverdaulichem zu eröffnen. Der 1848 endlich uraufgeführte Dreiakter...
Ein seltsames Schauspiel bietet sich dem Amazonas-Schiffer vor Manaus: Durchaus im gleichen, weiten Bett, aber mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten fließen der braune, träge, warme Amazonas und der behändere, dunkelkühle Rio Negro nebeneinander her, bis sie sich nach etwa dreißig Kilometern dann doch zusammentun.
Ob Ermanno Wolf-Ferrari je in der brasilianischen...
Die blockhaften Akkorde, die Harmonieschleifen, der harte Puls, die kantige Dynamik – ein wenig erinnert der Orchestersatz schon mal an Bruckner, der bekanntlich in Sankt Florian und Linz die Orgelbank drückte. Aber auch an Minimal Music Patterns und: die heute fast nur noch im Jazz und von Kantoren gepflegte Kunst des formgebundenen Extemporierens. Dass Thierry...
