Editorial
Wie viele Opernhäuser braucht eine Stadt? Die Frage lässt sich nicht aufs Geld reduzieren. Sie hat genauso mit Ästhetik, Publikumsstrukturen und gewachsener Geschichte zu tun. Im Grunde ist sie eine nach der Aktualität der Gattung selbst. Und sie stellt sich als solche nicht nur in Berlin, wo die frisch gegründete Opernstiftung bereits ziemlich alt aussieht und die Zukunft nach wie vor ungewiss ist. Bis zu den Wahlen im Herbst soll, wieder mal, ein neues Konzept entwickelt werden. Auch Wien leistet sich drei Opernhäuser.
Das jüngste ist zugleich das älteste: das von Roland Geyer geleitete Theater an der Wien, das sich dem Repertoire von Monteverdi bis Mozart und der Moderne widmen will. Finanziert wird es vor allem von der Stadt. Die Subventionen für die alten Staatstheater sind dagegen seit langem eingefroren. Das bedeutet insbesondere, dass Rolle, Funktion und Legitimation der Volksoper immer wieder zur Diskussion stehen. In New York grüßen die beiden großen Operntempel vis-à-vis: ungleiche Brüder, die doch von ähnlichen Sorgen bedrängt werden. Sowohl der Met mit ihren knapp viertausend Plätzen als auch der City Opera mit immerhin knapp dreitausend Sitzen brechen die Besucher ...
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In Moskau mit seinen elf Millionen Einwohnern gibt es fünf Opernhäuser, und sie sind fast jeden Abend sehr gut besucht. Doch die fünf Zacken des Moskauer Opernsterns strahlen nicht alle gleich intensiv. Drei Häuser kann man ohne weiteres große nennen, während die beiden übrigen verhältnismäßig kleine Spielstätten haben, obwohl sie über eine recht große Truppe...
Man kommt nicht sofort darauf. Zu abstrakt klingt beim ersten Hinhören, bei der ersten Begegnung der Titel des neuen Stücks von Ruedi Häusermann, zu intellektuell überhöht, als dass man sogleich auf die Idee verfiele, es könnte sich bei «Gewähltes Profil: Lautlos» ganz und gar profan um eine Einstellung handeln, die sich auf den meisten Mobiltelefonen findet. Eben...
«Aida» auf Tonnen von Sand in Sporthallen, als Feuerspektakel auf Europatournee, Open Air in der Arena von Verona oder vor dem Tempel der Hatschepsut in Theben – alles schon dagewesen. Aber als Operette in einem palmenbestückten Wintergarten? Bei der Pariser Weltausstellung 1889? Oder doch 1870, zur Entstehungszeit der Oper, in einem imaginären Nobelhotel zu...
