Schostakowitsch: Lady Macbeth von Mzensk
Die Mauern des Hinterhofes sind so hoch, dass man den Himmel nicht sieht. Manche der Fenster sind vergittert. Sie umrahmen die Tristesse von Arbeiterinnen an der Nähmaschine. Über ihnen könnte eine Aufseherpeitsche aus der Zarenzeit zischen. Oder die stalinistische Gewalt (der Entstehungszeit der «Lady») hängen. Oder auch die neue postsowjetische Trostlosigkeit.
An den sprichwörtlichen Birkenwald, den imaginären Erholungsort der russischen Seele, erinnern Reste einer Tapete im nur angedeuteten Zimmer von Katerina: Hier langweilt sie sich, hier wird die Köchin vergewaltigt, hier wird die Herrin des Hauses erniedrigt. Hier vergiftet sie ihren sadistisch altersgeilen Schwiegervater Boris (standfest viril: Jon Pecevich) mit Rattengift. In der Mitte dieses Einheitsraumes verschwinden die Leichen im Keller, etwa die von Katerinas gelacktem Ehemann Sinowi (etwas zu leichtgewichtig: Frieder Aurich), den sie gemeinsam mit ihrem Liebhaber Sergej (mit tenoraler Vehemenz: Erin Caves) in der Dusche absticht. Aber auch uniformierte Möchtegern-Ordnungshüter in lassen einen harmlosen Spinner, der in den Fröschen die Seele sucht, dort verschwinden. Kurz: In diesem Hof ist die perverse ...
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In Moskau mit seinen elf Millionen Einwohnern gibt es fünf Opernhäuser, und sie sind fast jeden Abend sehr gut besucht. Doch die fünf Zacken des Moskauer Opernsterns strahlen nicht alle gleich intensiv. Drei Häuser kann man ohne weiteres große nennen, während die beiden übrigen verhältnismäßig kleine Spielstätten haben, obwohl sie über eine recht große Truppe...
Warum nicht einmal so, wie sich Richard Wagners «Die Meistersinger von Nürnberg» am Luxemburger Grand Théâtre in der Fassung der Berliner Volksbühne präsentieren? Was exaltierte Musiktheaterregisseure schon alles mit der deutschsten aller deutschen Opern angestellt haben, wobei sie sich stets furchtsam an die komplette Partitur klammerten, das kann einen...
Mit der «Proserpina» des erst in den 1990er-Jahren wiederentdeckten deutsch-schwedischen Komponisten und Mozart-Zeitgenossen Joseph Martin Kraus sowie der Uraufführung von Salvatore Sciarrinos jüngster Oper «Kälte» («Da gelo a gelo») hat sich Schwetzingen einmal mehr zu seiner Vorliebe für das Ausgefallene und Aparte bekannt. Beide Male wurde der Mut zum Risiko...
