Göttin des Gemetzels
Doch nicht! Wir dachten schon, Medea macht sich jetzt mit dem Drachen davon. Mit diesem kleinen grünen Plüschmonster, einem Spielzeug ihrer Kinder. Stattdessen fliegt sie im verglasten Treppenhaus von Kreons schicker Regierungszentrale mit dem Fahrstuhl in die Luft. Die Explosion lässt die Türen Feuer spucken: Medea ist erledigt. Nach dem Gemetzel, das sie angerichtet hat, kann man sie kaum leben lassen. Nicht, wenn man sie als Mensch sieht. Das ist offenbar bis heute so.
1693 ließen Marc-Antoine Charpentier und Thomas Corneille die wilde Lady einfach auf einem Ungetüm davonziehen. Ihr Abgang war nur hinnehmbar, weil sie, zunächst so eindrucksvoll als irdisch Liebende gezeigt, am Ende die göttliche Hälfte ihrer Natur nach außen kehrt, so dass menschliche Gesetze und Moral nicht greifen. Und die Katharsis? Als Lehre bleibt wohl: Wer Pflicht und Gemeinwohl nicht über die Liebe stellt, bricht Unheil los.
Und darin besteht der eigentliche Reiz des Stücks, auch seine Modernität: dass das keiner der Figuren gelingt. Niemand ist grundschlecht, doch alle sind entsetzlich schwach. Niemandem versagen die Autoren gänzlich das Mitgefühl. Ganz sicher nicht Medea, die alles verliert und sich der ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Wiebke Roloff
Iphigénie ist von Alpträumen gepeinigt: Die berühmte Gewitterszene am Beginn von Glucks Oper ist nicht zuletzt Allegorie für die Last ihrer blutigen Familiengeschichte. In Lukas Hemlebs Deutung zeigt der Frauenchor, der Iphigénies Auftritt im Wüten der Elemente begleitet, eine irritierende Nähe zu Erinnyen: Alle Choristinnen sind schwarz gewandet, ihre Gesichter...
«Seit ich ihn gesehen ...»: Ein Frauenleben in neues Licht, neue Farben getaucht. Schwärmerische Gefühle einer demütig dem Manne hingegebenen Frau, beschrieben aus der Perspektive eines Mannes – des Dichters Adelbert von Chamisso. Seine Verse sind, wie man in Zeiten von Neofeminismus und Gender-Debatten sagen würde, politically incorrect; widerspruchsfrei ist das...
Für den Broadway hat er noch nicht geschrieben. Und es deutet derzeit nichts darauf hin, dass Peter Eötvös mit dem Gedanken spielt, mal einem Frederick Loewe, Richard Rogers, Irving Berlin oder sagen wir: einem Kurt Weill respektive Leonard Bernstein nachzueifern. Aber das musikästhetische Denken des ungarischen Komponisten kennt keine Tabus, weder bei den Genres...
