Seit hundert Jahren in Betrieb

Einer der schönsten Musentempel des 20. Jahrhunderts steht im Lausitzer Braunkohlerevier: Bernhard Sehrings Cottbuser Theater

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Ganz oben, hoch über dem Bühnenturm, setzen vier Panther zum Sprung gen Süden an. Zum Licht, nach Arka­dien, ins Reich der Musen. Dorthin, woher einst die Musik kam, die Poesie und das Spiel. Noch stehen die von den Tieren gezogenen Streitwagen auf zwei Türmchen still, gezügelt von einer weiblichen und einer männlichen Idealfigur. Aber nicht mehr lange, sagt ihre Haltung – alles ist hier Dynamik, Bewegung, Sehnsucht nach Transzendenz. Nicht rohe, maßlose Kraft, sondern kultivierte, elegante Energie.


Panther und Löwen, Putti und Engel, Chimären, Widderköpfe und Obelisken, symmetrisch angeordnet, in klar gestaffelte Baukörper eingepasst  – Bernhard Sehring geizte nicht mit Zitaten aus dem antiken und palladianischen Formenkanon, als die Cottbuser Bürgerschaft ihn beauftragte, ein Theater für die damals prosperierende Kleinstadt in der Lausitz zu entwerfen. Der Architekt hatte sich mit dem Theater des Westens in Berlin-Charlottenburg (1896) einen viel diskutierten Namen gemacht, sein kontrastreicher Stil-Eklektizismus traf den Nerv der späten Gründerzeit: der Vergangenheit in vergewissernder Ehrfurcht verbunden, der fragilen Gegenwart trotzig zugewandt. Was da also am 1. Oktober 1908 ...

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Opernwelt November 2008
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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