Seit hundert Jahren in Betrieb
Ganz oben, hoch über dem Bühnenturm, setzen vier Panther zum Sprung gen Süden an. Zum Licht, nach Arkadien, ins Reich der Musen. Dorthin, woher einst die Musik kam, die Poesie und das Spiel. Noch stehen die von den Tieren gezogenen Streitwagen auf zwei Türmchen still, gezügelt von einer weiblichen und einer männlichen Idealfigur. Aber nicht mehr lange, sagt ihre Haltung – alles ist hier Dynamik, Bewegung, Sehnsucht nach Transzendenz. Nicht rohe, maßlose Kraft, sondern kultivierte, elegante Energie.
Panther und Löwen, Putti und Engel, Chimären, Widderköpfe und Obelisken, symmetrisch angeordnet, in klar gestaffelte Baukörper eingepasst – Bernhard Sehring geizte nicht mit Zitaten aus dem antiken und palladianischen Formenkanon, als die Cottbuser Bürgerschaft ihn beauftragte, ein Theater für die damals prosperierende Kleinstadt in der Lausitz zu entwerfen. Der Architekt hatte sich mit dem Theater des Westens in Berlin-Charlottenburg (1896) einen viel diskutierten Namen gemacht, sein kontrastreicher Stil-Eklektizismus traf den Nerv der späten Gründerzeit: der Vergangenheit in vergewissernder Ehrfurcht verbunden, der fragilen Gegenwart trotzig zugewandt. Was da also am 1. Oktober 1908 ...
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Ästhetisch stark geprägte Jahre» habe es zuletzt an der Bayerischen Staatsoper gegeben – in der Ära Sir Peter Jonas –, aber vieles habe hier doch nicht stattgefunden. So sprach der neue Opernmann in München, Staatsintendant Nikolaus Bachler (in einem Interview der Süddeutschen Zeitung). Er scheint sich und seine Musiktheaterarbeit neu definiert zu haben, will in...
