Erinnerung
Alle wollten ihre Stoffe, ihre Schnitte, ihre Farben. Peter Stein, dessen Berliner Schaubühnen-Ensemble sie über mehr als zwei Jahrzehnte in Kleider steckte, die wahre Leute machten. Klaus Michael Grüber und Robert Wilson, George Tabori und Patrice Chéreau, der Moidele Bickel u. a. für seinen Salzburger «Don Giovanni» (1994) und sein Filmepos «Die Bartholomäusnacht» engagierte. Der subtile, zauberhafte Kostümrealismus der gebürtigen Münchnerin traf fast immer die Essenz einer Figur, ihrer Stimmung, ihrer Zeit.
Sie war eine Ausnahmekünstlerin mit untrüglichem Sinn für die enthüllende Verhüllung, für die Offenbarungen der Oberfläche. Auch die Opernbühne hat sie damit beseelt. Eine Gabe, die man zuletzt bei der Salzburger Uraufführung von Marc-André Dalbavies «Charlotte Salomon» (2014) bestaunen konnte. Am Pfingstmontag ist Moidele Bickel in Berlin gestorben. Sie wurde
79 Jahre alt.
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Albrecht Thiemann
Gut aussehend soll er gewesen sein. Mit großen, feucht schimmernden Augen zeigt ihn ein Ölgemälde von Élisabeth Vigée-Lebrun; angeblich hat sie ihn gut getroffen (Foto). Zarin Katharina die Große, der er von 1776 bis 1783 diente, war in Giovanni Paisiello geradezu vernarrt, überhäufte ihn mit Geschenken, legte ihm sogar einmal – er wirkte am Cembalo ein wenig matt...
Kurz vor der Premiere macht ein Gerücht die Runde. Max Brands «Stormy Interlude» dauere nicht einmal vierzig Minuten, also spiele man das Stück gleich zweimal hintereinander. So etwas kannte man bisher eigentlich nur von Karlheinz Stockhausen, der vor allem bei Uraufführungen einzelner Szenen des «Licht»-Zyklus dem Publikum nach der Pause die Möglichkeit bieten...
Kunst braucht Mut zum Risiko. Besonders zeitgenössische, das gilt auch im Musiktheater. Die Australische Nationaloper geht Wagnissen allerdings lieber aus dem Weg. Deshalb müssen die wenigen übrigen Ensembles in die Bresche springen – jüngst kam die State Opera of South Australia in Adelaide diesem Auftrag mit der Uraufführung von George Palmers «Cloudstreet»...
