Fritz ist Franz

Strassburg | Schreker: Der ferne Klang

Opernwelt - Logo

Das ist das Faszinierende an Franz Schreker: wie er in seinem «Fernen Klang» die Handlung und ihr Transportmittel eins werden lässt. Präziser: Die Musik befördert das Geschehen und ist zugleich sein Gegenstand. Das setzt sich bei der ersten französischen In­szenierung überhaupt an der elsässischen Opéra national du Rhin fort: Marko Letonja lässt in seiner ersten Einstudierung als neuer Chefdirigent von Orchestre philharmonique de Strasbourg und Oper keinen Zweifel daran, dass es um die Musik selbst geht.

Am un­überhörbarsten gegen Ende, wenn der Komponist Fritz stirbt, der ein Leben lang dem Phantom eines Idealklangs nachgejagt ist, dieweil wispernde Geigen, Harfen-Glissandi und Silbertontropfen der Celesta die körperlose Form dieses Klangs endgültig aufspüren, das volle Orchester jedoch umstandslos seinen­ es-Moll-Einspruch dagegensetzt: Basta! Aus! Tod!

Das penetrante Näherrücken des fernen Klangs via Verstärker war zuvor ganz überflüssig. Zumal Letonjas Auslegung mit dem blendend reagierenden Orchester im Ganzen spürbar auf die leisen, die poetischen Werte der Musik, auf Diskretion, aufs Dämpfen zielt. Kammerkunst für große Besetzung. Obendrein: Instrumentalzauber pur, wenn das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Heinz W. Koch

Weitere Beiträge
Erinnerung und Fiktion

Was auch immer beim Wexford Festival aufgeführt wird: Das Haus spielt eine Hauptrolle. Zumindest seit 2008, als der Neubau des Architektenbüros um Keith Williams eröffnet wurde. Wie eine sanft gestaffelte Kuppel thront er über der Silhouette des alten, südirischen Küstenstädtchens. Wenn man davor steht, sind die Dimensionen nicht zu ahnen. Nahtlos passt sich die...

Auf und ab, vor und zurück

Eine Bürgeroper sollte es werden, damals, als Charlottenburg noch ein Vorort von Berlin war. Finanziert wurde sie privat als Aktiengesellschaft. Heinrich Seeling, der lokale Baustadtrat, entwarf das Gebäude an der Bismarckstraße als Gegenpol zur königlichen Staatsoper Unter den Linden. Größer, lockerer und im Klassizismus gebremst, war es gedacht für alle, die von...

Erlaubt ist, was gerät

Das war einmal verpönt. Zu Zeiten des ästhetischen Diktats der seriellen Berufsavantgardisten sah sich alles, was irgendwie nach Literaturoper roch, verschärfter Strafandrohung ausgesetzt. Die Postmoderne steht dem wieder aufgeschlossener gegen­über. Erlaubt ist, was gerät. Und zumindest in weiten Teilen geraten ist, was Andrea Lorenzo Scartazzini, Jahrgang 1971,...