Unter Wasser
Manche Bilder, so sehr man sich darum bemüht, wollen nicht aus dem Kopf. Zum Beispiel jene bizarr-absurde Pointe am Ende von Lothar-Günther Buchheims Filmklassiker «Das Boot». Zwischen Skylla und Charybdis, unter unerhörtem physischen wie psychischen Druck, hat sich das deutsche U-Boot hindurchgeschlängelt, ist in den vermeintlich sicheren Hafen gelangt. Der Himmel ist sonnig-blau, das unerwartete Glück zum Greifen nah. Doch dann hagelt es Bomben – der Tod kommt aus der Luft, nicht aus dem Wasser.
Womöglich hatte Annilese Miskimmon, seit zwei Jahren Intendantin der Norske Operaen, Szenen wie diese im Kopf, als sie ihre erste Regiearbeit für Oslo vorbereitete, Brittens «Billy Budd». Und vielleicht ließ sie sich bei ihrer Entscheidung, ein U-Boot auf die Bühne hieven zu lassen, nicht nur von der Geschichte leiten, sondern dachte den entscheidenden Schritt weiter: wie es ist, wenn die Welt auf eine stählerne, atemfreie Hülle zusammenschrumpft.
Die Musik in «Billy Budd» erlaubt die Metaphern: Enge und Reibung, Implosion und Explosion, Depression und Aggression. Schon die Terzen des Prologs kratzen einander, d-h und d-b, Dur und Moll. Im weiteren Verlauf der Oper erscheint dieses ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
Ganz schön verbiestert, halsstarrig schauen sie aus den gebügelten Oberhemden, Strickwesten und Hauskitteln: die knorrigen Ländler, die sich da in einem schwer renovierungsbedürftigen, mit klobigen Holzschränken und Biertischen möblierten, von einer stockfleckigen Decke überwölbten Saal versammeln. Als ob sie aus der Monotonie ihrer kargen Existenz in den...
Herr Baumgarten, inszenieren Sie anders, seit Sie Professor sind?
Ja. Der intuitive Bereich, in dem man sich beim Inszenieren bewegt, wird einer rationalen Überprüfung unterzogen. Es ist so, als ob man über das Gehen noch mal nachdenkt. Dazu kommt, dass man durch die Studierenden permanent mit neuen Ideen, Texten und Konzepten konfrontiert wird, die in meiner...
Vor drei Jahren hat die junge Sopranistin Anna Lucia Richter ihre erste Solo-CD vorgelegt (siehe OW 3/2016). Was damals ein Versprechen war, wird jetzt mit ihrem zweiten, Schubert gewidmeten Solo-Album zur Erfüllung. Dabei macht sie es sich mit bekannten Highlights wie Goethes Mignon-Liedern, dem «Ave Maria» oder dem «Hirt auf dem Felsen» nicht leicht. Technisch...
