Grimmig oder freundlich?

Jonathan Dove macht’s: Zu seinem 200. Geburtstag wird Karl Marx als Opernheld wiedererweckt

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Karl Marx, eher bekannt als der ältere Mann mit Bart und grimmigem Blick, war unlängst als bohèmehafter, jugendlich-freundlicher Liebhaber ein Leinwandheld. Anlässlich seines 200. Geburtstags wird er demnächst denn auch in einer neuen Oper von Jonathan Dove figurieren. Grimmig oder freundlich? Man ist gespannt, wie sich «Das Kapital» oder wenigstens das «Kommunistische Manifest» in vertontem Zustand anhören werden.

Jenes hatte Sergei Eisenstein verfilmen, dieses Bertolt Brecht in Hexameter gießen wollen; Hanns Eisler interessierte sich ohnehin lebhaft für die Komposition solcherart heiliger Texte. Peter Ruzicka hingegen brachte das Kunststück fertig, eine «Celan»-Oper ohne Rekurs auf auch nur eine einzige Dichterzeile zu schreiben.

Ja, Opernsujets! Im Grunde ist ja mit der Handvoll uralter Mythen alles gesagt. Ödipus, Odysseus, Helena, Iphigenie und Konsorten, vielleicht noch Aeneas, Don Juan und Faust – vielfach variationsfähig und hinlänglich als ewiges Spielmaterial der conditio (oder commedia) humana. In allem anderen mithin nur Verkleidung, Neudrapierung des in Ursprungsdichtungen Gegebenen? Karl Marx, so gesehen: eine Mischung von Jupiter und Pluto? Oder halb ...

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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Magazin, Seite 85
von Hans-Klaus Jungheinrich

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